EPISODE 1-3:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 4-10 Std
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 9/10

Mit „Life Is Strange“ (2015) und dem entsprechenden Prequel „Life Is Strange: Before The Storm“ (2017) brachteDontnod-EntertainmentzweiderbestenSto- rytelling-SpielederletztenJahreheraus.DieStoryrund umMax,ChloeundRachelbegeisterteFans,vorallem wegen der unheimlich stimmigen, detaillierten Spiel- welt, einem tiefgründigen Charakterdesign sowie einer spannenden, entscheidungsbasierten Story. Mit „Life Is Strange 2“ kommt nun der dritte Teil der Serie, welcher drei Jahre nach den Ereignissen in Arcadia Bay spielt, diesmal jedoch ohne Max, Chloe und Rachel. Als absoluter Fan der Serie stellt sich mir nun die Frage: Kann „Life Is Strange 2“ genauso mitreißend sein, ohne eine Kopie der ersten beiden Spiele zu sein?

Um diese Frage zu beantworten, sind vor allem zwei Personen im Mittelpunkt: Sean und Daniel Diaz, die beiden Hauptcharaktere. Schon nach den wenigen Minuten des Prologs kristallisiert sich heraus, dass sich die beiden vor allem durch ihr Alter unterschei- den.

Während Sean (16) mit den alltäglichen Proble- men eines Teenagers zu kämpfen hat, ist Daniel (9) damit beschäftigt seine Kindheit voll und ganz zu genießen. Gerade wenn man sich Zeit für kleine Details lässt, ergeben sich zwei tiefgründige Charak- terbilder, die einem schnell ans Herz wachsen. Die beiden Diaz Brüder überzeugen also schon nach den ersten Stunden Spielzeit als Charaktere, auch wenn Daniel in der Rolle als kleiner Bruder ein wenig besser aufgeht als Sean in der des großen Bruders.

Die Spielwelt von „Life Is Strange“ ist neben den beiden Hauptcharakteren natürlich noch voll mit in-

teressanten Personen, die ihren Teil zur spannenden Story beitragen. Von der mürrischen Shop-Besitzerin, über sympathische Weirdos hin zu rebellischen Teen- agern gibt es hier viel zu entdecken. Oft lohnt es sich im Gespräch genauer hinzuhören, aber anders als im Klassischen-RPG erzählt uns nicht jeder Charak- ter auf Anhieb seine halbe Lebensgeschichte. Bei manchen Personen ist es sogar hilfreich, erst gar kein Gespräch anzufangen. Auch wenn man sich bei einigen Charakteren mehr Hintergrund-Infos erhofft, trägt deren kurzweiliger Auftritt zum authentischen Spielerlebnis bei. Als Kritikpunkt wäre hier aber auch zu nennen, dass ich mir an einigen Stellen einen Kommentar oder Monolog seitens Sean und Daniel über die entsprechenden NPC ́s gewünscht hätte.

Weiter zur Atmosphäre: „Life Is Strange 2“ zu spielen fühlt sich vor allem an wie das Gefühl des Heim- kommens. Man verspürt Erleichterung und Freude wieder im gewohnten Umfeld zu sein, aber auch kleine Veränderungen lassen sich beobachten. Das Setting rund um Seattle, was vor allem von Wald- landschaften geprägt ist, macht sich als solches deutlich bemerkbar und ist nicht einfach Arcadia Bay 2. Hier dominieren vor allem Wildnis, einsame Straßen und politisch konservative Menschen. Poli- tisch? Ja, denn anders als im ersten Teil gibt es nun in „Life Is Strange 2“ mehrere politisch geprägte Stellen und Charaktere. Um nur einen kleinen Hinweis zu geben: Es ist keine beiläufige Erkenntnis, dass Sean, Daniel und ihr Vater aus Mexico stammen. Aber keine Sorge, im Vordergrund stehen immer noch sehr passend gewählte Songs, die schöne Grafik der Unreal-Engine sowie jede Menge an kleinen Details und Easter Eggs.

FAZIT: „Life Is Strange 2“ ist wieder einmal ein geniales Spiel geworden. Die Entwickler haben es geschafft, eine neue, interessante Geschichte im gewohnten „Life Is Strange“-Universum zu erzählen, ohne in den Bereichen Charakterdesign und Storytelling zu stark von den ersten beiden Teilen zu kopieren. Die (wenigen) technischen Neuerungen (Rucksack-Inventar, vergängliche Interaktionsmöglichkeiten der Brüder, Geld als Ressource) fügen sich gut in die Spielwelt ein und führen teilweise die Story, ohne dabei abzulenken. „Life Is Strange 2“ ist also wieder ein Spiel, was von seiner Story und seiner Liebe zum Detail lebt.

Menschen, welche die ersten beiden Teile bereits langweilig fanden, werden auch mit „Life Is Strange 2“ höchstwahrscheinlich nicht umgestimmt. Aber als Liebhaber der Serie kann ich die Geschichte rund um Sean und Daniel jedem Fan ans Herz legen.

Die Serie ist sich mit diesem Teil treu geblieben und bietet wieder viel Potential zum Einfühlen und Mitfiebern. Und nicht vergessen: wie bei allen „life Is strange“-spielen lohnt es sich, alles mitzunehmen und sich voll und ganz auf die story einzulassen.

EPISODE 4-5:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 2-3 Std ( pro Episode )
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 7,5/10

Die Geschichte um Sean und Daniel Diaz findet nun in der Veröffentlichung von „Life Is Strange 2 – Episode 5“ ihr vorzeitiges Ende. Anknüpfend an die Review aus der letzten Ausgabe stellen sich jetzt aber einige Fragen: Kann der gute Start des Spiels fortgeführt werden? Überzeugt das Ende? Gibt es eine Anspielung auf eine weitere Fortsetzung?

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Finale eines „Life Is Strange“-Teils wirklich viel falsch machen müsste, um nicht zumindest als annehmbar zu gelten. So auch im dritten Spiel: Es gibt insgesamt 4 bzw. 7 verschiedene Enden, die alle unterschiedlich ausfallen und ins sich überzeugen. Positiv fällt hier auf, dass die Entschei- dungen am Ende nun auch den gesamten Spielverlauf mit einbeziehen und nicht bloß vom Rest des Spiels abgetrennte Auswahlmöglichkeiten sind (wie z.B. im Original). Insgesamt bietet jede Variante des Endes einen eigenen Plot-Twist und gelungene Abschlussszenen.

Auch wenn die Thematik „Flucht“ in „Life Is Strange 2“ eine große Rolle spielt, gibt es einen großen Nach- teil: Insgesamt betrachtet wirken die letzten drei Episoden teilweise sehr überhastet. Während sich in der Umgebung von Seattle noch reichlich Zeit gelassen wird, verlieren die späteren drei Schauplätze extrem an erzählerischer Tiefe. Was für die Umgebung gilt, spiegelt sich auch in den Charakteren wider: Vor allem Nebencharaktere verflachen häufig zu „Ein-Dialog-NPCs“. Tröstend wirkt hier die (kurze) Rückkehr eines Cha- rakters aus dem ersten „Life Is Strange“, sowie einige emotionale Easter-Eggs und ein unerwarteter Plot-Twist.

FAZIT: Eine eher hastig erzählte zweite Hälfte und verflachte Charaktertiefe machen aus „Life Is Strange 2“ noch lange kein schlechtes Spiel. Der gute Start und überzeugende End-Sze- nen verleihen dem Spiel immer noch eine allgemein positive Spielerfahrung. Die Geschichte um Sean und Daniel bleibt spannend und bietet durchaus Anreiz für einen weiteren Playthrough. Es besteht lediglich ungenutztes Potential und die Hoffnung auf eine gut durchdachte, weniger hastige Fortsetzung. Eine Anspielung darauf, wie es weitergeht, bleibt übrigens aus, auch wenn ein letztes Prequel zu Familie Diaz wünschenswert wäre.

 

Quelle der Bilder: https://www.igdb.com/games/life-is-strange-2/presskit