[Record Review] Bad Assumption - Angst

A dark cloud rises over me, manifesting as blight on my mind...
So schonungsloser Melodic Hardcore aus Münster findet sich nur bei Bad Assumption. Mit ihrem ersten Full-Length-Album Angst vermittelt die junge Band ganz klar, was der Titel verspricht. 
A New Start eröffnet mit emotionalen Lyrics und ohne Klargesang das Album. Dieses Muster der harten Riffs, der schnellen Drums und dem Abhandensein von ruhigen Passagen und Klargesang zieht sich bis etwas Mitte des Albums durch, wo The Hardest Part durch gefühlvollen und ausdrucksstarken Klargesang einen Bruch einleitet. Lyrisch betrachtet handelt es sich bei Angst um ein Meisterwerk, welches es schafft das Gefühl der Verlustangst, Angst vorm Leben, Ausweglosigkeit und Panik mitreißend in Worte zu fassen und für den Hörer erlebbar zu machen. Auch musikalisch werden diese Gefühle klar und deutlich vermittelt und spürbar. Dies wird nicht nur durch den Bruch in der Mitte des Albums, sondern auch durch die Umsetzung der ruhigeren Passagen mit mehrstimmigem Gesang, gefühlvollen Gitarren und einem nahezu gesprochenen Part deutlich. Wer emotional mitreißende Musik schätzt und ein Album sucht, dass mehr als nur Musik zum Autofahren ist, findet in Angst einen wahren Schatz.

https://www.youtube.com/watch?v=8_jYZLLJIco


[Record Review] Matt Holumbowski - Weird Ones

Mit „Weird Ones“ veröffentlicht der kanadische Sänger und Songwriter Matt Holubowski sein drittes Album und somit den langersehnten Nachfolger von „Solitudes“ und „Ogen, Old Man“.
Das Album startet mit dem gleichnamigen Song „Weird Ones“ welcher dort anzusetzen scheint, wo das vorherige Album geendet hat.
Anstatt den Zuhörer mit einem vollkommen neuen Sound zu überrollen, konzentriert sich der Track zunächst auf Matts Stimme sowie Akustik Gitarre um schließlich sanft in die neueren Klänge und Kompositionen überzugehen. Mit „Two Paper Moons“ zeigt sich dann schließlich der vollkommen neue Charakter der Platte. Dieser ist vor allem durch elektronische Elemente geprägt, die immer wieder für eine Überraschung sorgen.
Grundsätzlich scheint das Album einen doch recht anderen und mehr frei-fließenden Weg zu folgen.
Schlagzeug und Bass unterscheiden sich stark vom Vorgängeralbum. Anstatt die Musik zu begleiten und in ihrem Fundament zu stützen, sind sie in diesem eine unabhängige Allianz mit Momenten, in denen sie heraus zu brechen scheinen. Kraftvoll und stark zeigen sich diese Elemente, um schließlich von einem sanften Zupfen der Akustikgitarre gebändigt zu werden.
Holubowskis Stimme selbst zeigt sich atemberaubend.
Bei den atmosphärischen Parts singt er nur, wenn nötig, wodurch seine Stimme nur noch kraftvoller scheint. 
Das Album zeigt die beste Seite des Künstlers mit catchy Folk Refrains in Songs wie „Greener“ als auch die gefühlvolleren, langsamen Vocals in Liedern wie „The Highlands“. Der Kanadier schreibt seine Melodien unvorhersehbar, aber trotzdem zugänglich für den Hörer und sorgt somit für den Drang zum Mitsingen.
Einen einprägsamen Moment beherbergt der Song „Around Here“ in welchem nach dem Verstummen der Stimme des Sängers man nur noch einen Vogel zwitschern hört. Der Refrain von „Down the Rabbit Hole“ zeugt von einem weiteren tiefgehenden Moment mit Tönen, welche ebenso schnell verschwinden, wie sie auftauchen.
Der vorletzte Track des Albums „Mellifluousflowers“ hingegen richtet sich wieder mehr nach dem Sound von „Solitudes“ und ist somit eine wunderbare Überleitung zu dem fast zehnminütigen Finale „Love, The Impossible Ghost“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Weird Ones“ eine fast schon ätherische Erfahrung ist, welche die Neuentwicklung Holubowskis zeigt, ohne die Wurzeln von „Solitudes“ oder „Ogen, Old Man“ zu vernachlässigen.

https://www.youtube.com/watch?v=C7IGr_2dw_U

 

Fotocredits: William Arcand


[Record Review] The Amity Affliction - Everyone Loves You... Once You Leave Them

Mit „Everyone Loves You Once You Leave Them“ veröffentlichen The Amity Affliction ihr neues und somit siebtes Album, welches am 21. Februar 2020 über Pure Noise Records erscheint und zeigen sich damit sowohl von der gewohnten als auch einer neuen Seite.

Das Album selbst scheint wie immer eine vollkommen eigene Geschichte zu erzählen, die einem erst beim näheren Hinhören bewusst wird.
 Es zeigt sich stets von seiner besten Seite, wechselt knüppelharten Post-Hardcore mit doch melodischeren Songs ab, nur um wieder zu dem düsteren, grungigen Charakter zurück zu finden.

Mit dem Song „Coffin“ haben The Amity Affliction einen hervorragenden Einstieg gefunden, den man mit einem guten Freund vergleichen könnte, der einem etwas Neues aber vielleicht schon in der Art Bekanntes zeigen möchte. „Coffin“ startet ruhig, zeigt aber schnell den gleichen, knallharten und grungigen Charakter wie die Vorab-Singles „All My Friends Are Dead“ und „Soak Me In Bleach“.

„All I Do Is Sink“ hingegen zeigt sich doch wieder von der sanfteren Seite und erinnert an den schon fast typischen, nicht ganz so düsteren Stil der Band von wechselnden Screampassagen und melodischem Klargesang.

Einen doch anderen Stil bringt schließlich „Baltimore Rain“ mit sich, der sich zu Anfang so gar nicht nach dem Quartett anhört, aber doch schnell davon überzeugt, dass er auf der Platte definitiv seinen Platz gefunden hat. „Aloneliness“ tut es seinem Vorgänger fast gleich, unterscheidet sich aber dennoch durch seine anderen Melodien sehr davon. Der Song bringt eine gewisse Ruhe mit sich, die dem doch sehr düsteren Album eine kleine Ruhepause gönnt, um die Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen.

Allerdings wird diese fast schon entspannende und beruhigende Pause schnell von dem gewohnten Stil abgelöst und bricht mit „Born To Lose“ schließlich die letzte Barrikade um wieder düsterer und vor allem härter zu werden. Besonders zeigt der Song eine Seite, welche The Amity Affliction doch eher selten zum Vorschein bringen. Die Screams haben zum Teil einen beinahe wahnsinnig klingenden Unterton, welcher die Gefühle und Lyrics nur noch stärker hervorhebt.

Mit „Fever Dream“ könnte man zunächst meinen, dass der Sturm von „Born To Lose“ vorüber gezogen ist, doch schnell zeigt sich, dass dieser Song eher das Gegenteil bewerkstelligt. Trotz der ruhigeren Melodie und dem weniger heftigen Gesang zeigt „Fever Dream“ seine Power und leistet somit einen unglaublich angenehmen Einstieg für den Abschluss des Albums.
Die Single „Catatonia“ hingegen bricht gegen Ende des Albums mit aller Kraft hervor und zeigt doch einen starken Kontrollverlust über die eigenen Emotionen. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit mit all dem Geschehenen klar zu kommen, bringt der Song auf seine ganz eigene Art und Weise rüber und lässt einem mit einem Berg an Emotionen und Gedankengängen zurück.

Mit „Everybody Loves You Once You Leave Them“ haben The Amity Affliction definitiv ein Album geschaffen, welches sich absolut sehen lassen kann und auch den gewohnten Stil der Band nicht vernachlässigt. Trotzdem zeigt sich der Mut zu etwas Neuem und das mit vollem Erfolg.
Für manche könnte die doch düstere und härtere Stimmung zunächst abschreckend wirken, allerdings hat auch dieses Album definitiv Songs, die schon frühere Fans begeistern wird.

https://www.youtube.com/watch?v=iF6tDQiQJm4

Fotocredits: Pure Noise Records


WINTER AUSGABE 2019/2020

Hier könnt ihr euch die PDF zur Winter Ausgabe ansehen!

Mit THE FAIM Lyrics-Wende-Poster!

THE FAIM: State of Mind und wieso ihr Bassist während einer Show gegen einen Spiegel gerannt ist
ROAM: Smile Wide und wieso der As It Is Sänger fast ertränkt wurde
PELL-MELL FESTIVAL 2019: Und so lief unser erstes Jubiläum!
WIR ÜBER 2019: Das sind unsere Tops und Flops

IM INTERVIEW: Marianas Trench, Rogers, Polarschwarz, Blood Youth, Haris und der schwarze Hund, The Faim, ROAM, Lonesome Division, Sue Tattoo, Anker Ohne Grund


[Record Review] Hollywood Undead - A New Empire

„A New Empire“ ist ein Kraftvolles und absolut gelungenes  Album. Mehr muss man fast dazu nicht sagen, wer aber jetzt noch weiter liest, will sich wohl meine ganze Meinung dazu anhören!

Ich war schon sehr begeistert von der Veröffentlichung von „Time Bomb“ und „Already Dead“. Das neue Album begeistert sich durch seine Starke Sozialkritik der heutigen Zeit. Sie beschäftigen sich auch mit Problemen, wie Existenzängste. Klar, fehlt bei „Hollywood Undead“ auch das Partyfeeling nicht, welches sich aber doch sehr in den Hintergrund drängt. Auch die damaligen Frauenfeindlichen Texte sind gar nicht mehr zu finden.
So wie es ihr Album „New Empire“ schon ankündigt, kann man anderes erwarten als aus den vorherigen Alben, was vielleicht abschrecken mag, da es andere Bands schon versucht haben und ihnen nicht so gelungen ist, aber:

Es ist ein sehr kraftvoller Sound gelungen der sehr mit dem Emotionaleren Texten und Themen überzeugt. Nach eigener Aussage der Gruppe, wollten sie sich neu definieren, was ja heutzutage nicht unüblich ist.  Man erkennt alte Stile aus ihren vorherigen 5 Platten, aber man merkt, dass sich das neue Album doch sehr stark abhebt. Keine Frage, „Hollywood Undead“ hat ihren eigenen Stil gefunden in dem was sie machen, und sie sind immer noch steht’s auf dem richtigen weg. 

Das Album ist nur zu empfehlen und an die Skeptiker da draußen, gebt dem Ding eine Chance!

Verpasst Hollywood Undead nicht auf ihrer EU Tour! 

22.02.2020 Offenbach / Stadthalle DE
24.02.2020 München / Zenith DE
09.03.2020 Berlin / Verti Music Hall DE
10.03.2020 Hannover / Swiss Life Hall DE
11.03.2020 Leipzig / Haus Auensee DE
16.03.2020 Düsseldorf / Mitsubishi-Electric-Hall DE
17.03.2020 Hamburg / Barclaycard Arena DE

 

https://www.youtube.com/watch?v=AOG-b2fTxTU


[Record Review] ITCHY - Ja als ob!

WAS SOLL UNS SCHON PASSIEREN?

Unter dem Motto haben ITCHY nun ihr achtes Album veröffentlicht – erstmals auf deutsch. Dass sie damit ein Wagnis eingehen, wusste die Pop-Punk-Band ganz offensichtlich. Umso interessanter war es für uns, was bei dem Experiment wohl herauskommen würde.

Ganz in alter ITCHY-Manier kommt die neue Musik daher – und doch irgendwie anders.

Allem Anschein nach hat die Band sich diesmal von verschiedener, vor allem deutscher Musik inspirieren lassen: zeitweise erinnern sie an die Rockband Madsen (wie der Song „Godzilla“) dann schwingt plötzlich was von deutschem Hip-Hop à la Fettes Brot mit („Ja als ob“). Am Ende klingen sie dann aber doch ganz wie sie selbst.

Schonungs- und kompromisslos und mit einer ordentlicher Portion Ironie kommentieren sie das aktuelle Zeitgeschehen. Beispielsweise in „Nicht weg“, einem klaren Aufruf, sich gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft zu stellen, anstatt wegzusehen. „Beyonce & Jay-Z“ hingegen handelt von der ständigen Reizüberflutung mit schlechten Nachrichten, vor allem auf Social Media.

Schon das letzte Album der Band war recht politisch – und „Ja als ob“ steht dem in nichts nach.

Außerdem erzählen die Jungs selbstironisch von ihren eigenen Fehlern.

Leider passt an manchen Stellen die Rhythmik des Textes nicht ganz zur Melodie; gerade beim Opener „Faust“ fällt das auf. Vielleicht muss man sich hier noch an deutsches Songwriting gewöhnen. Andererseits ist das genau die Schwierigkeit dabei: deutsche Texte nimmt man als Muttersprachler völlig anders wahr, jede kleine sprachliche Unbeholfenheit springt direkt ins Auge. Außerdem zeigen andere Tracks auf dem Album, das sie es durchaus können, so wie „Ich wollte noch“.

Nicht überall ist ITCHY dieses Experiment also ganz gelungen. Dafür bietet das Album sound-technisch durchaus eine gewisse Vielfalt und bringt, vor allem gegen Ende des Albums, einige starke Songs hervor ( z. B. „Wo seid ihr denn alle“). Der Experimentrierfreudigkeit, die sich auch schon auf „All We Know“ zeigte, wurde hier weiter freien Lauf gelassen.

„Ja als ob“ ist auf jeden Fall nicht, was man von der Band erwartet hatte. Daher brauchte es einige Male, bis das Album mich überzeugte. Aber es zeigt, dass die Band durchaus auch Potential in Sachen deutscher Musik hat.

 

https://www.youtube.com/watch?v=hNO7KuWtFrM

FotoCredits: Diana Mühlberger