[Record Review] Matt Holumbowski - Weird Ones

Mit „Weird Ones“ veröffentlicht der kanadische Sänger und Songwriter Matt Holubowski sein drittes Album und somit den langersehnten Nachfolger von „Solitudes“ und „Ogen, Old Man“.
Das Album startet mit dem gleichnamigen Song „Weird Ones“ welcher dort anzusetzen scheint, wo das vorherige Album geendet hat.
Anstatt den Zuhörer mit einem vollkommen neuen Sound zu überrollen, konzentriert sich der Track zunächst auf Matts Stimme sowie Akustik Gitarre um schließlich sanft in die neueren Klänge und Kompositionen überzugehen. Mit „Two Paper Moons“ zeigt sich dann schließlich der vollkommen neue Charakter der Platte. Dieser ist vor allem durch elektronische Elemente geprägt, die immer wieder für eine Überraschung sorgen.
Grundsätzlich scheint das Album einen doch recht anderen und mehr frei-fließenden Weg zu folgen.
Schlagzeug und Bass unterscheiden sich stark vom Vorgängeralbum. Anstatt die Musik zu begleiten und in ihrem Fundament zu stützen, sind sie in diesem eine unabhängige Allianz mit Momenten, in denen sie heraus zu brechen scheinen. Kraftvoll und stark zeigen sich diese Elemente, um schließlich von einem sanften Zupfen der Akustikgitarre gebändigt zu werden.
Holubowskis Stimme selbst zeigt sich atemberaubend.
Bei den atmosphärischen Parts singt er nur, wenn nötig, wodurch seine Stimme nur noch kraftvoller scheint. 
Das Album zeigt die beste Seite des Künstlers mit catchy Folk Refrains in Songs wie „Greener“ als auch die gefühlvolleren, langsamen Vocals in Liedern wie „The Highlands“. Der Kanadier schreibt seine Melodien unvorhersehbar, aber trotzdem zugänglich für den Hörer und sorgt somit für den Drang zum Mitsingen.
Einen einprägsamen Moment beherbergt der Song „Around Here“ in welchem nach dem Verstummen der Stimme des Sängers man nur noch einen Vogel zwitschern hört. Der Refrain von „Down the Rabbit Hole“ zeugt von einem weiteren tiefgehenden Moment mit Tönen, welche ebenso schnell verschwinden, wie sie auftauchen.
Der vorletzte Track des Albums „Mellifluousflowers“ hingegen richtet sich wieder mehr nach dem Sound von „Solitudes“ und ist somit eine wunderbare Überleitung zu dem fast zehnminütigen Finale „Love, The Impossible Ghost“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Weird Ones“ eine fast schon ätherische Erfahrung ist, welche die Neuentwicklung Holubowskis zeigt, ohne die Wurzeln von „Solitudes“ oder „Ogen, Old Man“ zu vernachlässigen.

https://www.youtube.com/watch?v=C7IGr_2dw_U

 

Fotocredits: William Arcand


[Record Review] The Amity Affliction - Everyone Loves You... Once You Leave Them

Mit „Everyone Loves You Once You Leave Them“ veröffentlichen The Amity Affliction ihr neues und somit siebtes Album, welches am 21. Februar 2020 über Pure Noise Records erscheint und zeigen sich damit sowohl von der gewohnten als auch einer neuen Seite.

Das Album selbst scheint wie immer eine vollkommen eigene Geschichte zu erzählen, die einem erst beim näheren Hinhören bewusst wird.
 Es zeigt sich stets von seiner besten Seite, wechselt knüppelharten Post-Hardcore mit doch melodischeren Songs ab, nur um wieder zu dem düsteren, grungigen Charakter zurück zu finden.

Mit dem Song „Coffin“ haben The Amity Affliction einen hervorragenden Einstieg gefunden, den man mit einem guten Freund vergleichen könnte, der einem etwas Neues aber vielleicht schon in der Art Bekanntes zeigen möchte. „Coffin“ startet ruhig, zeigt aber schnell den gleichen, knallharten und grungigen Charakter wie die Vorab-Singles „All My Friends Are Dead“ und „Soak Me In Bleach“.

„All I Do Is Sink“ hingegen zeigt sich doch wieder von der sanfteren Seite und erinnert an den schon fast typischen, nicht ganz so düsteren Stil der Band von wechselnden Screampassagen und melodischem Klargesang.

Einen doch anderen Stil bringt schließlich „Baltimore Rain“ mit sich, der sich zu Anfang so gar nicht nach dem Quartett anhört, aber doch schnell davon überzeugt, dass er auf der Platte definitiv seinen Platz gefunden hat. „Aloneliness“ tut es seinem Vorgänger fast gleich, unterscheidet sich aber dennoch durch seine anderen Melodien sehr davon. Der Song bringt eine gewisse Ruhe mit sich, die dem doch sehr düsteren Album eine kleine Ruhepause gönnt, um die Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen.

Allerdings wird diese fast schon entspannende und beruhigende Pause schnell von dem gewohnten Stil abgelöst und bricht mit „Born To Lose“ schließlich die letzte Barrikade um wieder düsterer und vor allem härter zu werden. Besonders zeigt der Song eine Seite, welche The Amity Affliction doch eher selten zum Vorschein bringen. Die Screams haben zum Teil einen beinahe wahnsinnig klingenden Unterton, welcher die Gefühle und Lyrics nur noch stärker hervorhebt.

Mit „Fever Dream“ könnte man zunächst meinen, dass der Sturm von „Born To Lose“ vorüber gezogen ist, doch schnell zeigt sich, dass dieser Song eher das Gegenteil bewerkstelligt. Trotz der ruhigeren Melodie und dem weniger heftigen Gesang zeigt „Fever Dream“ seine Power und leistet somit einen unglaublich angenehmen Einstieg für den Abschluss des Albums.
Die Single „Catatonia“ hingegen bricht gegen Ende des Albums mit aller Kraft hervor und zeigt doch einen starken Kontrollverlust über die eigenen Emotionen. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit mit all dem Geschehenen klar zu kommen, bringt der Song auf seine ganz eigene Art und Weise rüber und lässt einem mit einem Berg an Emotionen und Gedankengängen zurück.

Mit „Everybody Loves You Once You Leave Them“ haben The Amity Affliction definitiv ein Album geschaffen, welches sich absolut sehen lassen kann und auch den gewohnten Stil der Band nicht vernachlässigt. Trotzdem zeigt sich der Mut zu etwas Neuem und das mit vollem Erfolg.
Für manche könnte die doch düstere und härtere Stimmung zunächst abschreckend wirken, allerdings hat auch dieses Album definitiv Songs, die schon frühere Fans begeistern wird.

https://www.youtube.com/watch?v=iF6tDQiQJm4

Fotocredits: Pure Noise Records