[Gaming Review] Draugen

GENRE: Adventure / Walking Simulator
PREIS/PLATTFORM: 20€ (PS4, PC, Xbox One)
DAUER BIS 100%: 3 Std.
SCHWIERIGKEIT: 1/5
RATING: 5/10

Genug von Cyberpunk-Ästhetik, amerikanischen Vorstädten oder post-apokalyptischem Wasteland? Das Indie-Game „Draugen“ des norwegischen Entwicklers „Red Thread Games“ verschlägt einen in ein nahezu einzigartiges Setting: Ein beschauliches, norwegisches Fjord-Dorf namens „Graavik“ in den 1920ern. Hier begebt ihr euch als Edward Charles Harden, einen amerikanischen Intellektuellen, auf die Suche nach euerer verschwundenen Schwester Elizabeth. Gemeinsam mit eurer Begleitung Alice stoßt ihr dabei aber auf eine mysteriöse, einheimische Tragödie rund um die Geheimnisse von Graavik. Kann „Draugen“ dieses vielversprechende Setting auch mit einer packenden Story und spannenden Charakteren füllen?

Die größte Stärke von „Draugen“ liegt wie bereits erwähnt beim Setting, welches anfangs durchaus neugierig macht. Dieses hat grafisch einen gewissen Charme, was vor allem an der verwendeten Unreal Engine liegt. Das „Graavik“ der 1920er bietet fünf Hauptschauplätzen und trotz einer ansonsten leeren Spielwelt herrscht die passende Grundatmosphäre eines norwegischen Dorfs aus dem letzten Jahrhundert. Aber schon hier zeigt sich, was „Draugen“ im gesamten Spielverlauf zu schaffen macht: verschenktes Potential. Es fehlen dramatische Veränderungen im Setting, die entlang der Story abwechslungsreiche Stimmungen erzeugen. Da hilft auch keine kurze, halbherzig entworfene „Gewitter bei Nacht“-Sequenz.

Das Ganze setzt sich im Charakterdesign fort: Edward und Alice machen zu Beginn neugierig, auch wenn darüber hinaus kein wirklich tiefgründiges Profil entsteht. Entlang der kurzen Story gibt es dann zwar charakterliche Entwicklungen, welche jedoch viele Fragen aufwerfen, ohne wirklich zum Nachdenken zu bringen. Selbes Prinzip bei der Story: Die beiden Erzählstränge sind nicht langweilig, aber ohne wirkliche Tiefe, trotz guter Ansätze. Nebenbei erwähnt sei, dass alles in Form einer komplett linearen Story erzählt wird, die trotz einiger Optionen im Dialog jedes Mal zum gleichen, offenen Ende kommt. Dieses wirkt nicht zufriedenstellend und ist nach knapp drei Stunden auch viel zu schnell erreicht. Abschließend stellt sich die Frage: Was ist eigentlich die Pointe des Spiels?

„Draugen“ leidet vor allem durch ungenutztes Potential: In allen Bereichen des Spiels bieten sich sehr gute Ansätze, die einfach halbherzig zu Ende geführt wurden. Es ist an einigen Stellen deutlich erkennbar, dass zentrale Teile der Story im finalen Spiel schlichtweg fehlen. Der Höhepunkt, auf den das ganze Spiel lang hingearbeitet wird, ist praktisch kaum existent. Warum das so ist, wissen leider nur die Entwickler. Die Zeile „Edward and Alice will return“ im Abspann macht allerdings durchaus Hoffnungen auf eine verbesserte, spannende und vor allem vollständige Fortsetzung.

Fotocredits: https://www.igdb.com/games/draugen/presskit


[Gaming Review] Bloodroots

GAMEREIHE: Action-Adventure
PREIS/PLATTFORM: 20€ (PS4, PC, Switch, Xbox One)
DAUER BIS 100%: 4-6 Std.
SCHWIERIGKEIT: 3/5
RATING: 4/10

Während man als Gamer im neuen Jahr noch auf die großen Releases wartet, gibt es jetzt schon einige vielversprechende Games zu entdecken. Wem der Sinn hierbei nach einem chaotischen Action-Adventure steht, findet mit „Bloodroots“, dem neusten Spiel vom Indie-Entwickler „Paper Cult“, ein witziges Singleplayer-Spiel. Man begibt sich hierbei in bunter Comic-Optik als „Mister Wolf“ auf einen klassischen Rachefeldzug gegen den Erzfeind „Schwarzer Wolf“ und metzelt sich auf dem Weg durch Unmengen von Gegnern. Aber verbirgt sich hinter hübscher Grafik und furiosem Gameplay mehr als nur ein kleiner Zeitvertreib?

Angefangen bei der Spielwelt zeigt sich die größte Stärke von „Bloodroots“. Jedes Level bringt ein eigenes Design mit sich: Wald, Wüste oder Schneelandschaft, zudem interessante Abwechslung durch Neon- und Wasteland-Abschnitte. Die bunte Grafik, geprägt von schön ausgearbeiteten Farbkontrasten, macht die Spielwelt trotz linearem Aufbau zum Hingucker. Weiterhin gilt das Motto „die Welt ist deine Waffe“: Statt die Gegner mit fester Waffe in Grund und Boden zu schießen, lässt sich nahezu die ganze Spielwelt, egal ob Karotte oder Laserschwert, als Prügelinstrument nutzen. Da jede Waffe sich nach Benutzung abnutzt oder kaputt geht, ist oft Improvisationstalent gefordert. Das abwechslungsreiche Gemetzel von Gegnern wird außerdem noch von spannender Musik unterlegt und mit witzigen Finisher-Szenen abgerundet.

Im Spielverlauf zeigen sich aber auch einige Schwächen des Indie-Adventures. Die Rache-Story um „Mister Wolf“ ist sehr oberflächlich erzählt, in jedem der drei Akte kämpft man sich durch Gegner-Horden, bevor man einen generischen Boss-Gegner vor sich hat. Die Geschichte wird auch durch die, teils sehr schlechte, deutsche Übersetzung nach kurzer Zeit zu überspringbarem Beiwerk. Dazu kommen einige nervige Fehler in der Spielmechanik, welche den Spielspaß oft mindern: fehlerhafte 3D-Darstellung von Plattformen, teils ungenaue Steuerung, wechselnde Kameraeinstellungen oder spärlich platzierte Kontrollpunkte. Einen Wiederspielwert hat das Spiel leider nur für Gamer, die darauf aus sind, den eigene Highscore in jedem Level zu brechen.

„Bloodroots“ ist trotz einladender Grafik und spaßigem Gegnergemetzel vor allem ein Spiel für Hardcore-Gamer und Indie-Adventure-Liebhaber. Die wirkliche Herausforderung des Spiels liegt hier meist im Navigieren der hakeligen Spielmechanik. Das lineare Design und der kurze Singleplayer bieten auf Dauer nur wenig Spielspaß für den Casual-Gamer. Nichtsdestotrotz hätte „Bloodroots“ Potential, mit einer besseren Spielmechanik und einem Koop-Modus zu einem spannend-witzigen Indie-Game für Zwischendurch zu werden.

Fotocredits: http://www.papercultgames.com/presskit/sheet.php?p=bloodroots


[Gaming Review] Life Is Strange 2 (Alle Episoden)

EPISODE 1-3:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 4-10 Std
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 9/10

Mit „Life Is Strange“ (2015) und dem entsprechenden Prequel „Life Is Strange: Before The Storm“ (2017) brachteDontnod-EntertainmentzweiderbestenSto- rytelling-SpielederletztenJahreheraus.DieStoryrund umMax,ChloeundRachelbegeisterteFans,vorallem wegen der unheimlich stimmigen, detaillierten Spiel- welt, einem tiefgründigen Charakterdesign sowie einer spannenden, entscheidungsbasierten Story. Mit „Life Is Strange 2“ kommt nun der dritte Teil der Serie, welcher drei Jahre nach den Ereignissen in Arcadia Bay spielt, diesmal jedoch ohne Max, Chloe und Rachel. Als absoluter Fan der Serie stellt sich mir nun die Frage: Kann „Life Is Strange 2“ genauso mitreißend sein, ohne eine Kopie der ersten beiden Spiele zu sein?

Um diese Frage zu beantworten, sind vor allem zwei Personen im Mittelpunkt: Sean und Daniel Diaz, die beiden Hauptcharaktere. Schon nach den wenigen Minuten des Prologs kristallisiert sich heraus, dass sich die beiden vor allem durch ihr Alter unterschei- den.

Während Sean (16) mit den alltäglichen Proble- men eines Teenagers zu kämpfen hat, ist Daniel (9) damit beschäftigt seine Kindheit voll und ganz zu genießen. Gerade wenn man sich Zeit für kleine Details lässt, ergeben sich zwei tiefgründige Charak- terbilder, die einem schnell ans Herz wachsen. Die beiden Diaz Brüder überzeugen also schon nach den ersten Stunden Spielzeit als Charaktere, auch wenn Daniel in der Rolle als kleiner Bruder ein wenig besser aufgeht als Sean in der des großen Bruders.

Die Spielwelt von „Life Is Strange“ ist neben den beiden Hauptcharakteren natürlich noch voll mit in-

teressanten Personen, die ihren Teil zur spannenden Story beitragen. Von der mürrischen Shop-Besitzerin, über sympathische Weirdos hin zu rebellischen Teen- agern gibt es hier viel zu entdecken. Oft lohnt es sich im Gespräch genauer hinzuhören, aber anders als im Klassischen-RPG erzählt uns nicht jeder Charak- ter auf Anhieb seine halbe Lebensgeschichte. Bei manchen Personen ist es sogar hilfreich, erst gar kein Gespräch anzufangen. Auch wenn man sich bei einigen Charakteren mehr Hintergrund-Infos erhofft, trägt deren kurzweiliger Auftritt zum authentischen Spielerlebnis bei. Als Kritikpunkt wäre hier aber auch zu nennen, dass ich mir an einigen Stellen einen Kommentar oder Monolog seitens Sean und Daniel über die entsprechenden NPC ́s gewünscht hätte.

Weiter zur Atmosphäre: „Life Is Strange 2“ zu spielen fühlt sich vor allem an wie das Gefühl des Heim- kommens. Man verspürt Erleichterung und Freude wieder im gewohnten Umfeld zu sein, aber auch kleine Veränderungen lassen sich beobachten. Das Setting rund um Seattle, was vor allem von Wald- landschaften geprägt ist, macht sich als solches deutlich bemerkbar und ist nicht einfach Arcadia Bay 2. Hier dominieren vor allem Wildnis, einsame Straßen und politisch konservative Menschen. Poli- tisch? Ja, denn anders als im ersten Teil gibt es nun in „Life Is Strange 2“ mehrere politisch geprägte Stellen und Charaktere. Um nur einen kleinen Hinweis zu geben: Es ist keine beiläufige Erkenntnis, dass Sean, Daniel und ihr Vater aus Mexico stammen. Aber keine Sorge, im Vordergrund stehen immer noch sehr passend gewählte Songs, die schöne Grafik der Unreal-Engine sowie jede Menge an kleinen Details und Easter Eggs.

FAZIT: „Life Is Strange 2“ ist wieder einmal ein geniales Spiel geworden. Die Entwickler haben es geschafft, eine neue, interessante Geschichte im gewohnten „Life Is Strange“-Universum zu erzählen, ohne in den Bereichen Charakterdesign und Storytelling zu stark von den ersten beiden Teilen zu kopieren. Die (wenigen) technischen Neuerungen (Rucksack-Inventar, vergängliche Interaktionsmöglichkeiten der Brüder, Geld als Ressource) fügen sich gut in die Spielwelt ein und führen teilweise die Story, ohne dabei abzulenken. „Life Is Strange 2“ ist also wieder ein Spiel, was von seiner Story und seiner Liebe zum Detail lebt.

Menschen, welche die ersten beiden Teile bereits langweilig fanden, werden auch mit „Life Is Strange 2“ höchstwahrscheinlich nicht umgestimmt. Aber als Liebhaber der Serie kann ich die Geschichte rund um Sean und Daniel jedem Fan ans Herz legen.

Die Serie ist sich mit diesem Teil treu geblieben und bietet wieder viel Potential zum Einfühlen und Mitfiebern. Und nicht vergessen: wie bei allen „life Is strange“-spielen lohnt es sich, alles mitzunehmen und sich voll und ganz auf die story einzulassen.

EPISODE 4-5:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 2-3 Std ( pro Episode )
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 7,5/10

Die Geschichte um Sean und Daniel Diaz findet nun in der Veröffentlichung von „Life Is Strange 2 – Episode 5“ ihr vorzeitiges Ende. Anknüpfend an die Review aus der letzten Ausgabe stellen sich jetzt aber einige Fragen: Kann der gute Start des Spiels fortgeführt werden? Überzeugt das Ende? Gibt es eine Anspielung auf eine weitere Fortsetzung?

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Finale eines „Life Is Strange“-Teils wirklich viel falsch machen müsste, um nicht zumindest als annehmbar zu gelten. So auch im dritten Spiel: Es gibt insgesamt 4 bzw. 7 verschiedene Enden, die alle unterschiedlich ausfallen und ins sich überzeugen. Positiv fällt hier auf, dass die Entschei- dungen am Ende nun auch den gesamten Spielverlauf mit einbeziehen und nicht bloß vom Rest des Spiels abgetrennte Auswahlmöglichkeiten sind (wie z.B. im Original). Insgesamt bietet jede Variante des Endes einen eigenen Plot-Twist und gelungene Abschlussszenen.

Auch wenn die Thematik „Flucht“ in „Life Is Strange 2“ eine große Rolle spielt, gibt es einen großen Nach- teil: Insgesamt betrachtet wirken die letzten drei Episoden teilweise sehr überhastet. Während sich in der Umgebung von Seattle noch reichlich Zeit gelassen wird, verlieren die späteren drei Schauplätze extrem an erzählerischer Tiefe. Was für die Umgebung gilt, spiegelt sich auch in den Charakteren wider: Vor allem Nebencharaktere verflachen häufig zu „Ein-Dialog-NPCs“. Tröstend wirkt hier die (kurze) Rückkehr eines Cha- rakters aus dem ersten „Life Is Strange“, sowie einige emotionale Easter-Eggs und ein unerwarteter Plot-Twist.

FAZIT: Eine eher hastig erzählte zweite Hälfte und verflachte Charaktertiefe machen aus „Life Is Strange 2“ noch lange kein schlechtes Spiel. Der gute Start und überzeugende End-Sze- nen verleihen dem Spiel immer noch eine allgemein positive Spielerfahrung. Die Geschichte um Sean und Daniel bleibt spannend und bietet durchaus Anreiz für einen weiteren Playthrough. Es besteht lediglich ungenutztes Potential und die Hoffnung auf eine gut durchdachte, weniger hastige Fortsetzung. Eine Anspielung darauf, wie es weitergeht, bleibt übrigens aus, auch wenn ein letztes Prequel zu Familie Diaz wünschenswert wäre.

 

Quelle der Bilder: https://www.igdb.com/games/life-is-strange-2/presskit


[Gaming Review] The Outer Worlds

Wertung: 7/10
Dauer: 20-90 Std. (je nach Schwierigkeitsgrad und Spielweise)
Schwierigkeit:  3 von 5

 

„The Outer Worlds“ wurde bereits vor Release als „die bessere Fallout-Fortsetzung“ gehandelt. Schließlich wurden einige Trademarks der Bethesda-Games für das Spiel von Obsidian Entertainment schlichtweg übernommen: eine schräge, postapokalyptische Spielwelt, haufenweise Easter-Eggs und interessante, lustige Charaktere. Im Folgenden will ich das Spiel aber nicht einfach an seinem Vorbild messen, sondern mir die Frage stellen: Was kann es wirklich, als eigenständiges Spiel?

Allgemein spielt ihr die Rolle eines Weltraum-Kolonisten, der von einem leicht-verrückten Wissenschaftler aus der Schlafkapsel eines verschollenen Raumschiffs erweckt wird, um die Galaxie „Halcyon“ zu retten. Nach wenigen Minuten Spielzeit wird vor allem eins klar: Entweder man liebt diese Art von Spiele, oder man hasst sie. Die comicartige Grafik der Unreal Engine (Dishonored, Borderlands), simple Mechaniken und ein Fokus auf Dialoge sind nun mal Geschmackssache. Im weiteren Verlauf zeigt sich die größte Stärke des Spiels ebenso wie auch die größte Schwäche: die Story. Während viele der Quests zu kurz oder gestreckt wirken und auf dem simplen „Problem-Beschaffe X-Belohnung“-Prinzip beruhen, sind es gerade die kleineren Nebenquests, die genial geschrieben und umgesetzt sind. So könnt ihr einem eurer Begleiter zum perfekten Date verhelfen, euch als Film-Schauspieler auszeichnen oder einem Priester bei der Selbstfindung beistehen. Die Spielwelt zeigt sich ähnlich ambivalent: Während in der Wildnis teilweise gähnende Leere herrscht, lässt sich in den Städten massig Beschäftigung finden. Man wird als Spieler mit Munition und Items fast schon zugemüllt, während sich erkunden der Welt und um die Ecke denken nur selten (wirklich) lohnt. „The Outer Worlds“ punktet aber mit einem simplen, dennoch soliden Kampfsystem und einem gut durchdachten Level-System. Weiterhin sind die meisten Dialoge gelungen und bieten (wie auch die Quests generell) mehrere Möglichkeiten ans Ziel zu kommen. Abschließend sei noch erwähnt, dass die erzählten Endsequenzen, im Gegensatz zum letzten Drittel der Story, sehr gut gelungen sind.

Fazit: „The Outer Worlds“ ist ein Spiel, was sich nur schwierig auf den Punkt bringen lässt. Obwohl es oft richtig Spaß macht, ernüchtern schwankende Story, Schwierigkeit und Spannung. Selbst wenn jede Quest abgeschlossen ist, bleibt der Wunsch auf einen neuen Durchgang, in dem man alles anders macht. Auf jedes Easter-Egg und jedes Schmunzeln kommt ein Moment des „Wieso muss ich jetzt schon wieder nach X reisen, um Y für Z zu besorgen?“. Alles in allem ein Spiel, für Menschen, die schräge, alternative Welten á la „Fallout“ lieben und sich nicht an einigen klassischen Open-World-Schwächen stören.

 

 

Bilderquelle: https://www.igdb.com/games/the-outer-worlds/presskit


[Gaming Review] Black Mirror 2017

Gamereihe: Black Mirror
Dauer Bis 100%: ca. 9h
Schwierigkeit:2 von 5
Rating: 4,5/10

 

Black Mirror – der Klassiker aus den 90ern in 2017 neuinterpretiert.
Das weckt natürlich Neugierde, gerade wenn man sich zurück erinnert an das Spiel mit etwas zwischen 50 und 90 Spielstunden voller Dialoge und Optionen einen voll mitgerissen hat. Da es kein Remake ist, sondern eine „Neuinterpretation“, kann man natürlich nicht dasselbe Spiel erwarten… die Story sollte jedoch ähnlich Spielbar sein.

Ob das so der Treffer war? Wenn man das Spiel beginnt erfreut man sich, dass die Story ähnlich ist, jedoch die Charaktere zum Teil andere Namen haben. Alles gut soweit, die grundsätzliche Story ist dieselbe. Grafiken waren in Ordnung, also noch nichts zu bemängeln.

Der erste Abzug viel jedoch auf, als man mit ein- zelnen Gegenständen interagieren musste, aber die Steuerung so verklemmt ist, dass man den Blick, als 3. Person, nur kurz, wenn sogar gar nicht auf die Stelle bekam und somit es nur sehr schwer war, an dieser Stelle weiter zu kommen. Allein dieses Manko frustriert jeden begeisterten Spieler, da man so die Story nicht genießen kann. Nach etwa 5 Stunden Spielzeit fragt man sich, wie man denn in dem Haupt-Story-Strang schon so fortge- schritten sein kann, ohne die ganzen spannenden Dialoge?

Auch zu einer Neuinterpretation gehört, wenn man Black Mirror heißen will, der ganze Input, die Details und wie alles in sich verstrickte. Ganz nett anzusehen waren die Szenen, in denen man die Vergangenheit der Verstorbenen Verwandtschaft „wiedererlebt“ hat, weshalb jeder dachte, auch der Protagonist würde durch drehen. Jedoch war

auch hier wieder ein Fehler, diesmal an Kommu- nikation zwischen Spiel und Spieler. Man wusste durch nichts als Herumprobieren, dass man durch diese Flashbacks sterben kann. Was genau dies dann auslöste, musste man wieder herausfinden (es war ein zu nahe kommen der Personen oder „Geister“), was einem manchmal echt die Nerven raubte, da man so aus diesen nicht weiter kam.

Dies ist auch der einzige Faktor, der trotz der „Rät- sel“, die leider wesentlich einfacher waren, als im Original, wenn aber auch akzeptabel, das Spiel etwas schwieriger machte.

Nach 9 Stunden und vielen verlorenen Nerven kam wie zu erwarten ein dramatisches, aber auch abruptes Ende des Spiels. Es lief leider nach der Auflösung und dem Drama eher ins Leere hinaus, wo die vorherigen Spiele dieser Reihe nochmal einen Ansatz gaben, dass es einen weiteren Teil geben könnte. Alles in allem haben wir für dieses Spiel etwa 9 Stunden gebraucht, trotz einigen Stellen des verdrehten Steuerns und mehrfachen Sterbens, wirklich schade! Da steckte sehr viel Potenzial hinter und man hätte das Gefühl, dass man lieber ein schnelles Remake auf den Markt bringen wollte, als die Leidenschaft reinzustecken, die man in den vorherigen Teilen auch spürte.
0 Punkte gibt es trotzdem nicht, da man das ein oder andere Rätsel wirklich erfreulich fand und man mit den Charakteren, wenn auch nur kurz, tatsächlich mitfühlen konnte und auch hin und wieder der Schauder auf einen hinüber Sprung.

Wenigstens etwas, was den Namen Black Mirror hier verdient!

 

Quelle der Bilder: https://blackmirror-game.com/de/medien/medien-gallerie/