[Gaming Review] Draugen

GENRE: Adventure / Walking Simulator
PREIS/PLATTFORM: 20€ (PS4, PC, Xbox One)
DAUER BIS 100%: 3 Std.
SCHWIERIGKEIT: 1/5
RATING: 5/10

Genug von Cyberpunk-Ästhetik, amerikanischen Vorstädten oder post-apokalyptischem Wasteland? Das Indie-Game „Draugen“ des norwegischen Entwicklers „Red Thread Games“ verschlägt einen in ein nahezu einzigartiges Setting: Ein beschauliches, norwegisches Fjord-Dorf namens „Graavik“ in den 1920ern. Hier begebt ihr euch als Edward Charles Harden, einen amerikanischen Intellektuellen, auf die Suche nach euerer verschwundenen Schwester Elizabeth. Gemeinsam mit eurer Begleitung Alice stoßt ihr dabei aber auf eine mysteriöse, einheimische Tragödie rund um die Geheimnisse von Graavik. Kann „Draugen“ dieses vielversprechende Setting auch mit einer packenden Story und spannenden Charakteren füllen?

Die größte Stärke von „Draugen“ liegt wie bereits erwähnt beim Setting, welches anfangs durchaus neugierig macht. Dieses hat grafisch einen gewissen Charme, was vor allem an der verwendeten Unreal Engine liegt. Das „Graavik“ der 1920er bietet fünf Hauptschauplätzen und trotz einer ansonsten leeren Spielwelt herrscht die passende Grundatmosphäre eines norwegischen Dorfs aus dem letzten Jahrhundert. Aber schon hier zeigt sich, was „Draugen“ im gesamten Spielverlauf zu schaffen macht: verschenktes Potential. Es fehlen dramatische Veränderungen im Setting, die entlang der Story abwechslungsreiche Stimmungen erzeugen. Da hilft auch keine kurze, halbherzig entworfene „Gewitter bei Nacht“-Sequenz.

Das Ganze setzt sich im Charakterdesign fort: Edward und Alice machen zu Beginn neugierig, auch wenn darüber hinaus kein wirklich tiefgründiges Profil entsteht. Entlang der kurzen Story gibt es dann zwar charakterliche Entwicklungen, welche jedoch viele Fragen aufwerfen, ohne wirklich zum Nachdenken zu bringen. Selbes Prinzip bei der Story: Die beiden Erzählstränge sind nicht langweilig, aber ohne wirkliche Tiefe, trotz guter Ansätze. Nebenbei erwähnt sei, dass alles in Form einer komplett linearen Story erzählt wird, die trotz einiger Optionen im Dialog jedes Mal zum gleichen, offenen Ende kommt. Dieses wirkt nicht zufriedenstellend und ist nach knapp drei Stunden auch viel zu schnell erreicht. Abschließend stellt sich die Frage: Was ist eigentlich die Pointe des Spiels?

„Draugen“ leidet vor allem durch ungenutztes Potential: In allen Bereichen des Spiels bieten sich sehr gute Ansätze, die einfach halbherzig zu Ende geführt wurden. Es ist an einigen Stellen deutlich erkennbar, dass zentrale Teile der Story im finalen Spiel schlichtweg fehlen. Der Höhepunkt, auf den das ganze Spiel lang hingearbeitet wird, ist praktisch kaum existent. Warum das so ist, wissen leider nur die Entwickler. Die Zeile „Edward and Alice will return“ im Abspann macht allerdings durchaus Hoffnungen auf eine verbesserte, spannende und vor allem vollständige Fortsetzung.

Fotocredits: https://www.igdb.com/games/draugen/presskit


[Gaming Review] Bloodroots

GAMEREIHE: Action-Adventure
PREIS/PLATTFORM: 20€ (PS4, PC, Switch, Xbox One)
DAUER BIS 100%: 4-6 Std.
SCHWIERIGKEIT: 3/5
RATING: 4/10

Während man als Gamer im neuen Jahr noch auf die großen Releases wartet, gibt es jetzt schon einige vielversprechende Games zu entdecken. Wem der Sinn hierbei nach einem chaotischen Action-Adventure steht, findet mit „Bloodroots“, dem neusten Spiel vom Indie-Entwickler „Paper Cult“, ein witziges Singleplayer-Spiel. Man begibt sich hierbei in bunter Comic-Optik als „Mister Wolf“ auf einen klassischen Rachefeldzug gegen den Erzfeind „Schwarzer Wolf“ und metzelt sich auf dem Weg durch Unmengen von Gegnern. Aber verbirgt sich hinter hübscher Grafik und furiosem Gameplay mehr als nur ein kleiner Zeitvertreib?

Angefangen bei der Spielwelt zeigt sich die größte Stärke von „Bloodroots“. Jedes Level bringt ein eigenes Design mit sich: Wald, Wüste oder Schneelandschaft, zudem interessante Abwechslung durch Neon- und Wasteland-Abschnitte. Die bunte Grafik, geprägt von schön ausgearbeiteten Farbkontrasten, macht die Spielwelt trotz linearem Aufbau zum Hingucker. Weiterhin gilt das Motto „die Welt ist deine Waffe“: Statt die Gegner mit fester Waffe in Grund und Boden zu schießen, lässt sich nahezu die ganze Spielwelt, egal ob Karotte oder Laserschwert, als Prügelinstrument nutzen. Da jede Waffe sich nach Benutzung abnutzt oder kaputt geht, ist oft Improvisationstalent gefordert. Das abwechslungsreiche Gemetzel von Gegnern wird außerdem noch von spannender Musik unterlegt und mit witzigen Finisher-Szenen abgerundet.

Im Spielverlauf zeigen sich aber auch einige Schwächen des Indie-Adventures. Die Rache-Story um „Mister Wolf“ ist sehr oberflächlich erzählt, in jedem der drei Akte kämpft man sich durch Gegner-Horden, bevor man einen generischen Boss-Gegner vor sich hat. Die Geschichte wird auch durch die, teils sehr schlechte, deutsche Übersetzung nach kurzer Zeit zu überspringbarem Beiwerk. Dazu kommen einige nervige Fehler in der Spielmechanik, welche den Spielspaß oft mindern: fehlerhafte 3D-Darstellung von Plattformen, teils ungenaue Steuerung, wechselnde Kameraeinstellungen oder spärlich platzierte Kontrollpunkte. Einen Wiederspielwert hat das Spiel leider nur für Gamer, die darauf aus sind, den eigene Highscore in jedem Level zu brechen.

„Bloodroots“ ist trotz einladender Grafik und spaßigem Gegnergemetzel vor allem ein Spiel für Hardcore-Gamer und Indie-Adventure-Liebhaber. Die wirkliche Herausforderung des Spiels liegt hier meist im Navigieren der hakeligen Spielmechanik. Das lineare Design und der kurze Singleplayer bieten auf Dauer nur wenig Spielspaß für den Casual-Gamer. Nichtsdestotrotz hätte „Bloodroots“ Potential, mit einer besseren Spielmechanik und einem Koop-Modus zu einem spannend-witzigen Indie-Game für Zwischendurch zu werden.

Fotocredits: http://www.papercultgames.com/presskit/sheet.php?p=bloodroots


[Record Review] Bad Assumption - Angst

A dark cloud rises over me, manifesting as blight on my mind...
So schonungsloser Melodic Hardcore aus Münster findet sich nur bei Bad Assumption. Mit ihrem ersten Full-Length-Album Angst vermittelt die junge Band ganz klar, was der Titel verspricht. 
A New Start eröffnet mit emotionalen Lyrics und ohne Klargesang das Album. Dieses Muster der harten Riffs, der schnellen Drums und dem Abhandensein von ruhigen Passagen und Klargesang zieht sich bis etwas Mitte des Albums durch, wo The Hardest Part durch gefühlvollen und ausdrucksstarken Klargesang einen Bruch einleitet. Lyrisch betrachtet handelt es sich bei Angst um ein Meisterwerk, welches es schafft das Gefühl der Verlustangst, Angst vorm Leben, Ausweglosigkeit und Panik mitreißend in Worte zu fassen und für den Hörer erlebbar zu machen. Auch musikalisch werden diese Gefühle klar und deutlich vermittelt und spürbar. Dies wird nicht nur durch den Bruch in der Mitte des Albums, sondern auch durch die Umsetzung der ruhigeren Passagen mit mehrstimmigem Gesang, gefühlvollen Gitarren und einem nahezu gesprochenen Part deutlich. Wer emotional mitreißende Musik schätzt und ein Album sucht, dass mehr als nur Musik zum Autofahren ist, findet in Angst einen wahren Schatz.

https://www.youtube.com/watch?v=8_jYZLLJIco


[Record Review] Matt Holumbowski - Weird Ones

Mit „Weird Ones“ veröffentlicht der kanadische Sänger und Songwriter Matt Holubowski sein drittes Album und somit den langersehnten Nachfolger von „Solitudes“ und „Ogen, Old Man“.
Das Album startet mit dem gleichnamigen Song „Weird Ones“ welcher dort anzusetzen scheint, wo das vorherige Album geendet hat.
Anstatt den Zuhörer mit einem vollkommen neuen Sound zu überrollen, konzentriert sich der Track zunächst auf Matts Stimme sowie Akustik Gitarre um schließlich sanft in die neueren Klänge und Kompositionen überzugehen. Mit „Two Paper Moons“ zeigt sich dann schließlich der vollkommen neue Charakter der Platte. Dieser ist vor allem durch elektronische Elemente geprägt, die immer wieder für eine Überraschung sorgen.
Grundsätzlich scheint das Album einen doch recht anderen und mehr frei-fließenden Weg zu folgen.
Schlagzeug und Bass unterscheiden sich stark vom Vorgängeralbum. Anstatt die Musik zu begleiten und in ihrem Fundament zu stützen, sind sie in diesem eine unabhängige Allianz mit Momenten, in denen sie heraus zu brechen scheinen. Kraftvoll und stark zeigen sich diese Elemente, um schließlich von einem sanften Zupfen der Akustikgitarre gebändigt zu werden.
Holubowskis Stimme selbst zeigt sich atemberaubend.
Bei den atmosphärischen Parts singt er nur, wenn nötig, wodurch seine Stimme nur noch kraftvoller scheint. 
Das Album zeigt die beste Seite des Künstlers mit catchy Folk Refrains in Songs wie „Greener“ als auch die gefühlvolleren, langsamen Vocals in Liedern wie „The Highlands“. Der Kanadier schreibt seine Melodien unvorhersehbar, aber trotzdem zugänglich für den Hörer und sorgt somit für den Drang zum Mitsingen.
Einen einprägsamen Moment beherbergt der Song „Around Here“ in welchem nach dem Verstummen der Stimme des Sängers man nur noch einen Vogel zwitschern hört. Der Refrain von „Down the Rabbit Hole“ zeugt von einem weiteren tiefgehenden Moment mit Tönen, welche ebenso schnell verschwinden, wie sie auftauchen.
Der vorletzte Track des Albums „Mellifluousflowers“ hingegen richtet sich wieder mehr nach dem Sound von „Solitudes“ und ist somit eine wunderbare Überleitung zu dem fast zehnminütigen Finale „Love, The Impossible Ghost“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Weird Ones“ eine fast schon ätherische Erfahrung ist, welche die Neuentwicklung Holubowskis zeigt, ohne die Wurzeln von „Solitudes“ oder „Ogen, Old Man“ zu vernachlässigen.

https://www.youtube.com/watch?v=C7IGr_2dw_U

 

Fotocredits: William Arcand


[Record Review] The Amity Affliction - Everyone Loves You... Once You Leave Them

Mit „Everyone Loves You Once You Leave Them“ veröffentlichen The Amity Affliction ihr neues und somit siebtes Album, welches am 21. Februar 2020 über Pure Noise Records erscheint und zeigen sich damit sowohl von der gewohnten als auch einer neuen Seite.

Das Album selbst scheint wie immer eine vollkommen eigene Geschichte zu erzählen, die einem erst beim näheren Hinhören bewusst wird.
 Es zeigt sich stets von seiner besten Seite, wechselt knüppelharten Post-Hardcore mit doch melodischeren Songs ab, nur um wieder zu dem düsteren, grungigen Charakter zurück zu finden.

Mit dem Song „Coffin“ haben The Amity Affliction einen hervorragenden Einstieg gefunden, den man mit einem guten Freund vergleichen könnte, der einem etwas Neues aber vielleicht schon in der Art Bekanntes zeigen möchte. „Coffin“ startet ruhig, zeigt aber schnell den gleichen, knallharten und grungigen Charakter wie die Vorab-Singles „All My Friends Are Dead“ und „Soak Me In Bleach“.

„All I Do Is Sink“ hingegen zeigt sich doch wieder von der sanfteren Seite und erinnert an den schon fast typischen, nicht ganz so düsteren Stil der Band von wechselnden Screampassagen und melodischem Klargesang.

Einen doch anderen Stil bringt schließlich „Baltimore Rain“ mit sich, der sich zu Anfang so gar nicht nach dem Quartett anhört, aber doch schnell davon überzeugt, dass er auf der Platte definitiv seinen Platz gefunden hat. „Aloneliness“ tut es seinem Vorgänger fast gleich, unterscheidet sich aber dennoch durch seine anderen Melodien sehr davon. Der Song bringt eine gewisse Ruhe mit sich, die dem doch sehr düsteren Album eine kleine Ruhepause gönnt, um die Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen.

Allerdings wird diese fast schon entspannende und beruhigende Pause schnell von dem gewohnten Stil abgelöst und bricht mit „Born To Lose“ schließlich die letzte Barrikade um wieder düsterer und vor allem härter zu werden. Besonders zeigt der Song eine Seite, welche The Amity Affliction doch eher selten zum Vorschein bringen. Die Screams haben zum Teil einen beinahe wahnsinnig klingenden Unterton, welcher die Gefühle und Lyrics nur noch stärker hervorhebt.

Mit „Fever Dream“ könnte man zunächst meinen, dass der Sturm von „Born To Lose“ vorüber gezogen ist, doch schnell zeigt sich, dass dieser Song eher das Gegenteil bewerkstelligt. Trotz der ruhigeren Melodie und dem weniger heftigen Gesang zeigt „Fever Dream“ seine Power und leistet somit einen unglaublich angenehmen Einstieg für den Abschluss des Albums.
Die Single „Catatonia“ hingegen bricht gegen Ende des Albums mit aller Kraft hervor und zeigt doch einen starken Kontrollverlust über die eigenen Emotionen. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit mit all dem Geschehenen klar zu kommen, bringt der Song auf seine ganz eigene Art und Weise rüber und lässt einem mit einem Berg an Emotionen und Gedankengängen zurück.

Mit „Everybody Loves You Once You Leave Them“ haben The Amity Affliction definitiv ein Album geschaffen, welches sich absolut sehen lassen kann und auch den gewohnten Stil der Band nicht vernachlässigt. Trotzdem zeigt sich der Mut zu etwas Neuem und das mit vollem Erfolg.
Für manche könnte die doch düstere und härtere Stimmung zunächst abschreckend wirken, allerdings hat auch dieses Album definitiv Songs, die schon frühere Fans begeistern wird.

https://www.youtube.com/watch?v=iF6tDQiQJm4

Fotocredits: Pure Noise Records


[Record Review] Hollywood Undead - A New Empire

„A New Empire“ ist ein Kraftvolles und absolut gelungenes  Album. Mehr muss man fast dazu nicht sagen, wer aber jetzt noch weiter liest, will sich wohl meine ganze Meinung dazu anhören!

Ich war schon sehr begeistert von der Veröffentlichung von „Time Bomb“ und „Already Dead“. Das neue Album begeistert sich durch seine Starke Sozialkritik der heutigen Zeit. Sie beschäftigen sich auch mit Problemen, wie Existenzängste. Klar, fehlt bei „Hollywood Undead“ auch das Partyfeeling nicht, welches sich aber doch sehr in den Hintergrund drängt. Auch die damaligen Frauenfeindlichen Texte sind gar nicht mehr zu finden.
So wie es ihr Album „New Empire“ schon ankündigt, kann man anderes erwarten als aus den vorherigen Alben, was vielleicht abschrecken mag, da es andere Bands schon versucht haben und ihnen nicht so gelungen ist, aber:

Es ist ein sehr kraftvoller Sound gelungen der sehr mit dem Emotionaleren Texten und Themen überzeugt. Nach eigener Aussage der Gruppe, wollten sie sich neu definieren, was ja heutzutage nicht unüblich ist.  Man erkennt alte Stile aus ihren vorherigen 5 Platten, aber man merkt, dass sich das neue Album doch sehr stark abhebt. Keine Frage, „Hollywood Undead“ hat ihren eigenen Stil gefunden in dem was sie machen, und sie sind immer noch steht’s auf dem richtigen weg. 

Das Album ist nur zu empfehlen und an die Skeptiker da draußen, gebt dem Ding eine Chance!

Verpasst Hollywood Undead nicht auf ihrer EU Tour! 

22.02.2020 Offenbach / Stadthalle DE
24.02.2020 München / Zenith DE
09.03.2020 Berlin / Verti Music Hall DE
10.03.2020 Hannover / Swiss Life Hall DE
11.03.2020 Leipzig / Haus Auensee DE
16.03.2020 Düsseldorf / Mitsubishi-Electric-Hall DE
17.03.2020 Hamburg / Barclaycard Arena DE

 

https://www.youtube.com/watch?v=AOG-b2fTxTU


[Record Review] ITCHY - Ja als ob!

WAS SOLL UNS SCHON PASSIEREN?

Unter dem Motto haben ITCHY nun ihr achtes Album veröffentlicht – erstmals auf deutsch. Dass sie damit ein Wagnis eingehen, wusste die Pop-Punk-Band ganz offensichtlich. Umso interessanter war es für uns, was bei dem Experiment wohl herauskommen würde.

Ganz in alter ITCHY-Manier kommt die neue Musik daher – und doch irgendwie anders.

Allem Anschein nach hat die Band sich diesmal von verschiedener, vor allem deutscher Musik inspirieren lassen: zeitweise erinnern sie an die Rockband Madsen (wie der Song „Godzilla“) dann schwingt plötzlich was von deutschem Hip-Hop à la Fettes Brot mit („Ja als ob“). Am Ende klingen sie dann aber doch ganz wie sie selbst.

Schonungs- und kompromisslos und mit einer ordentlicher Portion Ironie kommentieren sie das aktuelle Zeitgeschehen. Beispielsweise in „Nicht weg“, einem klaren Aufruf, sich gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft zu stellen, anstatt wegzusehen. „Beyonce & Jay-Z“ hingegen handelt von der ständigen Reizüberflutung mit schlechten Nachrichten, vor allem auf Social Media.

Schon das letzte Album der Band war recht politisch – und „Ja als ob“ steht dem in nichts nach.

Außerdem erzählen die Jungs selbstironisch von ihren eigenen Fehlern.

Leider passt an manchen Stellen die Rhythmik des Textes nicht ganz zur Melodie; gerade beim Opener „Faust“ fällt das auf. Vielleicht muss man sich hier noch an deutsches Songwriting gewöhnen. Andererseits ist das genau die Schwierigkeit dabei: deutsche Texte nimmt man als Muttersprachler völlig anders wahr, jede kleine sprachliche Unbeholfenheit springt direkt ins Auge. Außerdem zeigen andere Tracks auf dem Album, das sie es durchaus können, so wie „Ich wollte noch“.

Nicht überall ist ITCHY dieses Experiment also ganz gelungen. Dafür bietet das Album sound-technisch durchaus eine gewisse Vielfalt und bringt, vor allem gegen Ende des Albums, einige starke Songs hervor ( z. B. „Wo seid ihr denn alle“). Der Experimentrierfreudigkeit, die sich auch schon auf „All We Know“ zeigte, wurde hier weiter freien Lauf gelassen.

„Ja als ob“ ist auf jeden Fall nicht, was man von der Band erwartet hatte. Daher brauchte es einige Male, bis das Album mich überzeugte. Aber es zeigt, dass die Band durchaus auch Potential in Sachen deutscher Musik hat.

 

https://www.youtube.com/watch?v=hNO7KuWtFrM

FotoCredits: Diana Mühlberger


[Live Review] Knockdown Festival 2019

Datum: 15.12.2019

Genres: Metalcore, Hardcore
Ort: Karlsruhe, Schwarzwaldhalle

2015 gab den Startschuss für das Knockdown Festival in Karlsruhe. Als eine Art Schwester-Festival für das Knock Out Festival, welches seit 2005 ebenfalls in der Schwarzwaldhalle stattfindet, bietet das Knockdown für Metalcore-Fans die Möglichkeit, sich gegen Ende des Jahres zusammen zu finden und zu feiern.

Location [2 von 2]: Die Schwarzwaldhalle ist riesig. Mit Gang zur den zahlreichen Bars, zum Merchstand oder einfach mal zur Fressmeile und zurück, kann man sich wunderbar die Zeit bis zur nächsten Band vertreiben. Es gibt viele Toiletten und somit keinerlei Schlangen, genug Bars für jeden zum nachtanken. Mit den Öffentlichen ist die Halle unkompliziert zu erreichen und in der Nähe sind genug Parkplätze vorhanden.

Preise [1,5 von 2]: Wie man es auf Festivals kennt, waren die Preise für das Essen nicht gerade billig, dafür aber vielfältig und meistens auch für Vegetarier/Veganer geeignet. Die Cocktails gab es in riesigen Gläser für 7,50 Euro und sind definitiv jeden Cent wert. Der Preis für das Festivalticket betrug 54,99 Euro.

Line-Up [1,5 von 2]: Ein Highlight für uns war der Auftritt von To The Rats And Wolves, da die Jungs bekannt gegeben haben sich 2020 aufzulösen. Für die Leute, die nicht auf der Headliner Tour von Stray From The Path waren, konnten sie sich auf dem Knockdown samt Gefolge (Gideon, Loathe und The Devil Wears Prada) ansehen. Never Back Down gewannen den Newcomer Slot und Eskimo Callboy spielten als Headliner.

Crowd und Mitarbeiter [2 von 2]: Die Security hatte Spaß und Freude sich mit den Besuchern zu unterhalten, es gab keinen Ärger mit der Crowd.

Sound [2 von 2]: Der Sound war sowohl in den vordersten Reihen, als auch hinten auf den Tribünen super und angenehm laut.

Fazit [9 von 10]:  Für mich ist der Besuch auf dem Knockdown Festival jedes Jahr ein Muss! Es ist vorbildlich organisiert, Ess- und Trinkangebote sind reichlich vorhanden und das Line-Up hat eigentlich immer für den Einen oder Anderen was zu bieten, von Newcomern bis Kultbands bekommt man die Chance sich von guter Musik berieseln zu lassen oder einfach nur Party zu machen. Eine Bitte hätten wir jedoch für 2020: Wir wünschen uns unsere bunten Festivalbänder zurück, die Papierbänder ließen so manche ernüchtern. Ansonsten, weiter so! Wir freuen uns aufs nächste Jahr.

Photo Credits: Nadia Amiri / lwnhrz.ttl – Gastbeitrag von Nicole Hoppe


[Gaming Review] Life Is Strange 2 (Alle Episoden)

EPISODE 1-3:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 4-10 Std
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 9/10

Mit „Life Is Strange“ (2015) und dem entsprechenden Prequel „Life Is Strange: Before The Storm“ (2017) brachteDontnod-EntertainmentzweiderbestenSto- rytelling-SpielederletztenJahreheraus.DieStoryrund umMax,ChloeundRachelbegeisterteFans,vorallem wegen der unheimlich stimmigen, detaillierten Spiel- welt, einem tiefgründigen Charakterdesign sowie einer spannenden, entscheidungsbasierten Story. Mit „Life Is Strange 2“ kommt nun der dritte Teil der Serie, welcher drei Jahre nach den Ereignissen in Arcadia Bay spielt, diesmal jedoch ohne Max, Chloe und Rachel. Als absoluter Fan der Serie stellt sich mir nun die Frage: Kann „Life Is Strange 2“ genauso mitreißend sein, ohne eine Kopie der ersten beiden Spiele zu sein?

Um diese Frage zu beantworten, sind vor allem zwei Personen im Mittelpunkt: Sean und Daniel Diaz, die beiden Hauptcharaktere. Schon nach den wenigen Minuten des Prologs kristallisiert sich heraus, dass sich die beiden vor allem durch ihr Alter unterschei- den.

Während Sean (16) mit den alltäglichen Proble- men eines Teenagers zu kämpfen hat, ist Daniel (9) damit beschäftigt seine Kindheit voll und ganz zu genießen. Gerade wenn man sich Zeit für kleine Details lässt, ergeben sich zwei tiefgründige Charak- terbilder, die einem schnell ans Herz wachsen. Die beiden Diaz Brüder überzeugen also schon nach den ersten Stunden Spielzeit als Charaktere, auch wenn Daniel in der Rolle als kleiner Bruder ein wenig besser aufgeht als Sean in der des großen Bruders.

Die Spielwelt von „Life Is Strange“ ist neben den beiden Hauptcharakteren natürlich noch voll mit in-

teressanten Personen, die ihren Teil zur spannenden Story beitragen. Von der mürrischen Shop-Besitzerin, über sympathische Weirdos hin zu rebellischen Teen- agern gibt es hier viel zu entdecken. Oft lohnt es sich im Gespräch genauer hinzuhören, aber anders als im Klassischen-RPG erzählt uns nicht jeder Charak- ter auf Anhieb seine halbe Lebensgeschichte. Bei manchen Personen ist es sogar hilfreich, erst gar kein Gespräch anzufangen. Auch wenn man sich bei einigen Charakteren mehr Hintergrund-Infos erhofft, trägt deren kurzweiliger Auftritt zum authentischen Spielerlebnis bei. Als Kritikpunkt wäre hier aber auch zu nennen, dass ich mir an einigen Stellen einen Kommentar oder Monolog seitens Sean und Daniel über die entsprechenden NPC ́s gewünscht hätte.

Weiter zur Atmosphäre: „Life Is Strange 2“ zu spielen fühlt sich vor allem an wie das Gefühl des Heim- kommens. Man verspürt Erleichterung und Freude wieder im gewohnten Umfeld zu sein, aber auch kleine Veränderungen lassen sich beobachten. Das Setting rund um Seattle, was vor allem von Wald- landschaften geprägt ist, macht sich als solches deutlich bemerkbar und ist nicht einfach Arcadia Bay 2. Hier dominieren vor allem Wildnis, einsame Straßen und politisch konservative Menschen. Poli- tisch? Ja, denn anders als im ersten Teil gibt es nun in „Life Is Strange 2“ mehrere politisch geprägte Stellen und Charaktere. Um nur einen kleinen Hinweis zu geben: Es ist keine beiläufige Erkenntnis, dass Sean, Daniel und ihr Vater aus Mexico stammen. Aber keine Sorge, im Vordergrund stehen immer noch sehr passend gewählte Songs, die schöne Grafik der Unreal-Engine sowie jede Menge an kleinen Details und Easter Eggs.

FAZIT: „Life Is Strange 2“ ist wieder einmal ein geniales Spiel geworden. Die Entwickler haben es geschafft, eine neue, interessante Geschichte im gewohnten „Life Is Strange“-Universum zu erzählen, ohne in den Bereichen Charakterdesign und Storytelling zu stark von den ersten beiden Teilen zu kopieren. Die (wenigen) technischen Neuerungen (Rucksack-Inventar, vergängliche Interaktionsmöglichkeiten der Brüder, Geld als Ressource) fügen sich gut in die Spielwelt ein und führen teilweise die Story, ohne dabei abzulenken. „Life Is Strange 2“ ist also wieder ein Spiel, was von seiner Story und seiner Liebe zum Detail lebt.

Menschen, welche die ersten beiden Teile bereits langweilig fanden, werden auch mit „Life Is Strange 2“ höchstwahrscheinlich nicht umgestimmt. Aber als Liebhaber der Serie kann ich die Geschichte rund um Sean und Daniel jedem Fan ans Herz legen.

Die Serie ist sich mit diesem Teil treu geblieben und bietet wieder viel Potential zum Einfühlen und Mitfiebern. Und nicht vergessen: wie bei allen „life Is strange“-spielen lohnt es sich, alles mitzunehmen und sich voll und ganz auf die story einzulassen.

EPISODE 4-5:

Gamereihe: Life is Strange
Dauer bis 100%: 2-3 Std ( pro Episode )
Schwierigkeit: 2/5
Rating: 7,5/10

Die Geschichte um Sean und Daniel Diaz findet nun in der Veröffentlichung von „Life Is Strange 2 – Episode 5“ ihr vorzeitiges Ende. Anknüpfend an die Review aus der letzten Ausgabe stellen sich jetzt aber einige Fragen: Kann der gute Start des Spiels fortgeführt werden? Überzeugt das Ende? Gibt es eine Anspielung auf eine weitere Fortsetzung?

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Finale eines „Life Is Strange“-Teils wirklich viel falsch machen müsste, um nicht zumindest als annehmbar zu gelten. So auch im dritten Spiel: Es gibt insgesamt 4 bzw. 7 verschiedene Enden, die alle unterschiedlich ausfallen und ins sich überzeugen. Positiv fällt hier auf, dass die Entschei- dungen am Ende nun auch den gesamten Spielverlauf mit einbeziehen und nicht bloß vom Rest des Spiels abgetrennte Auswahlmöglichkeiten sind (wie z.B. im Original). Insgesamt bietet jede Variante des Endes einen eigenen Plot-Twist und gelungene Abschlussszenen.

Auch wenn die Thematik „Flucht“ in „Life Is Strange 2“ eine große Rolle spielt, gibt es einen großen Nach- teil: Insgesamt betrachtet wirken die letzten drei Episoden teilweise sehr überhastet. Während sich in der Umgebung von Seattle noch reichlich Zeit gelassen wird, verlieren die späteren drei Schauplätze extrem an erzählerischer Tiefe. Was für die Umgebung gilt, spiegelt sich auch in den Charakteren wider: Vor allem Nebencharaktere verflachen häufig zu „Ein-Dialog-NPCs“. Tröstend wirkt hier die (kurze) Rückkehr eines Cha- rakters aus dem ersten „Life Is Strange“, sowie einige emotionale Easter-Eggs und ein unerwarteter Plot-Twist.

FAZIT: Eine eher hastig erzählte zweite Hälfte und verflachte Charaktertiefe machen aus „Life Is Strange 2“ noch lange kein schlechtes Spiel. Der gute Start und überzeugende End-Sze- nen verleihen dem Spiel immer noch eine allgemein positive Spielerfahrung. Die Geschichte um Sean und Daniel bleibt spannend und bietet durchaus Anreiz für einen weiteren Playthrough. Es besteht lediglich ungenutztes Potential und die Hoffnung auf eine gut durchdachte, weniger hastige Fortsetzung. Eine Anspielung darauf, wie es weitergeht, bleibt übrigens aus, auch wenn ein letztes Prequel zu Familie Diaz wünschenswert wäre.

 

Quelle der Bilder: https://www.igdb.com/games/life-is-strange-2/presskit


[Gaming Review] The Outer Worlds

Wertung: 7/10
Dauer: 20-90 Std. (je nach Schwierigkeitsgrad und Spielweise)
Schwierigkeit:  3 von 5

 

„The Outer Worlds“ wurde bereits vor Release als „die bessere Fallout-Fortsetzung“ gehandelt. Schließlich wurden einige Trademarks der Bethesda-Games für das Spiel von Obsidian Entertainment schlichtweg übernommen: eine schräge, postapokalyptische Spielwelt, haufenweise Easter-Eggs und interessante, lustige Charaktere. Im Folgenden will ich das Spiel aber nicht einfach an seinem Vorbild messen, sondern mir die Frage stellen: Was kann es wirklich, als eigenständiges Spiel?

Allgemein spielt ihr die Rolle eines Weltraum-Kolonisten, der von einem leicht-verrückten Wissenschaftler aus der Schlafkapsel eines verschollenen Raumschiffs erweckt wird, um die Galaxie „Halcyon“ zu retten. Nach wenigen Minuten Spielzeit wird vor allem eins klar: Entweder man liebt diese Art von Spiele, oder man hasst sie. Die comicartige Grafik der Unreal Engine (Dishonored, Borderlands), simple Mechaniken und ein Fokus auf Dialoge sind nun mal Geschmackssache. Im weiteren Verlauf zeigt sich die größte Stärke des Spiels ebenso wie auch die größte Schwäche: die Story. Während viele der Quests zu kurz oder gestreckt wirken und auf dem simplen „Problem-Beschaffe X-Belohnung“-Prinzip beruhen, sind es gerade die kleineren Nebenquests, die genial geschrieben und umgesetzt sind. So könnt ihr einem eurer Begleiter zum perfekten Date verhelfen, euch als Film-Schauspieler auszeichnen oder einem Priester bei der Selbstfindung beistehen. Die Spielwelt zeigt sich ähnlich ambivalent: Während in der Wildnis teilweise gähnende Leere herrscht, lässt sich in den Städten massig Beschäftigung finden. Man wird als Spieler mit Munition und Items fast schon zugemüllt, während sich erkunden der Welt und um die Ecke denken nur selten (wirklich) lohnt. „The Outer Worlds“ punktet aber mit einem simplen, dennoch soliden Kampfsystem und einem gut durchdachten Level-System. Weiterhin sind die meisten Dialoge gelungen und bieten (wie auch die Quests generell) mehrere Möglichkeiten ans Ziel zu kommen. Abschließend sei noch erwähnt, dass die erzählten Endsequenzen, im Gegensatz zum letzten Drittel der Story, sehr gut gelungen sind.

Fazit: „The Outer Worlds“ ist ein Spiel, was sich nur schwierig auf den Punkt bringen lässt. Obwohl es oft richtig Spaß macht, ernüchtern schwankende Story, Schwierigkeit und Spannung. Selbst wenn jede Quest abgeschlossen ist, bleibt der Wunsch auf einen neuen Durchgang, in dem man alles anders macht. Auf jedes Easter-Egg und jedes Schmunzeln kommt ein Moment des „Wieso muss ich jetzt schon wieder nach X reisen, um Y für Z zu besorgen?“. Alles in allem ein Spiel, für Menschen, die schräge, alternative Welten á la „Fallout“ lieben und sich nicht an einigen klassischen Open-World-Schwächen stören.

 

 

Bilderquelle: https://www.igdb.com/games/the-outer-worlds/presskit