[Live Review] Crowdsalat Festival 2019

DATUM: 19.10.2019 | ORT: Essen, Weststadthalle | GENRE: Metalcore/Hardcore

LOCATION
Die Weststadthalle in Essen ist eine verhältnismäßig kleine Location am Rande der Innenstadt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie genauso gut zu erreichen wie mit dem Auto. Die Zufahrt zum Parkplatz ist leider etwas umständlich, wenn man sich nicht in der Gegend auskennt — dafür ist der direkt nebenan. Das Gebäude bot für dieses Festival genau die richtige Größe. Von innen ist die Halle gemütlich und familiär, die offene Bühne ragt etwas in den Raum hinein und erlaubt den Bands mehr Nähe zum Publikum. Insgesamt bietet die Weststadthalle eine grundsolide Location! [1.5 von 2]

PREISE
Den Ticketpreis von 25€ (VVK) bzw. 30€ (AK) fand ich durchaus noch fair, genau wie die Preise für Getränke und Merchandise, die sich alle sehr im Durchschnitt bewegten. Zudem boten noch einige kleine Clothing-Labels auf dem Festival ihre Waren an. Lediglich die Getränkeauswahl wäre etwas ausbaufähig gewesen. [1.5 von 2]

LINE-UP
Beim Line-Up kommen Fans des Metal-/Hardcore durchaus auf ihre Kosten. Das Festival bot neben Größen wie Imminence (die für ordentlich Stimmung sorgten!) oder Silent Screams auch die Möglichkeit, kleinere Bands und Newcomer kennenzulernen. Auch die wurden von vielen als sehr gut wahrgenommen. [2 von 2]

BESUCHER UND MITARBEITER
Das Sicherheitspersonal war sehr humorvoll und locker, die Verkäufer freundlich. Auch die Festivalbesucher waren sehr nette Menschen, die einfach die Show genießen wollten – so, wie es sich in der Szene gehört. [2 von 2]

SOUND
Selbst die besten Bands bringen einer Veranstaltung nichts ohne gescheiten Sound. Vereinzelt klang es etwas übersteuert, meistens aber gab es keine größeren Probleme. Im Vergleich zu anderen – auch weitaus größeren – Festivals, auf denen ich in letzter Zeit war, schien der Klang doch ganz gut abgemischt. [1.5 von 2]

FAZIT
Ohne größere Erwartungen sind wir hingefahren und wurden dann sehr positiv überrascht. Bis auf ein paar Kleinigkeiten gibt es nicht viel an der Veranstaltung zu kritisieren. Dafür, dass es sich um das erste Festival des noch jungen Magazins handelte, war es sehr gelungen! [8.5 von 10]

Photo Credits: Michelle // morethandisarray


[Record Review] The Faim – State Of Mind

Zuvor noch unterwegs auf Tour mit ihrer EP Summer Is A Curse, sammelten The Faim schon Bühnen Erfahrung mit Sleeping With Sirens, spielten schon auf dem Download Festival und waren zuletzt beim Lollapalooza in Berlin zu sehen. Am 13.09.2019 wurde das Debütalbum State Of Mind von dem Quartett aus Australien veröffentlicht, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Menge mit catchy Sing-a-longs und Chart-taugliche Refrains auf ihre Seite zu ziehen. Die Songs sind poppig, groovig und laden zum Tanzen und mitsingen ein.

Einflüsse aus der Indie Schublade ziehen sich durch das ganze Album, welches nur so vor Diversität strotzt. Kein Wunder, denn ihre damalige EP ist dadurch entstanden, indem sich verschiedenste hochkarätige Autoren (beispielsweise Pete Wentz von Fall Out Boy) mit der Band zusammen gesetzt haben und aus unvollständigen Kompositionen Top Hits erschaffen haben. Aus State Of Mind wollten The Faim aber ein ganz persönliches Album machen, sowohl lyrisch als auch musikalisch, ebenso haben sie einen vielschichtigen Sound erschaffen. Tongue Tied ist ein klassischer Indie Rock Song, der instrumentell mit dem Piano begleitet wird. Humans ist deutlich ruhiger, dafür aber poppiger im Refrain und reinlaufenden Sing-a-longs. Summer Is A Curse kennen wir aus der gleichnamigen EP, der mit 12 Millionen Streams für den Durchbruch der Band gesorgt hat. Einen kleinen Abstecher in die Punkrock Richtung machen The Faim mit Buying Time, der Song erinnert an alte Songs von Green Day und machen Lust auf mehr. Amelie rockt ordentlich ab und ist elektrisierend, Where The River Runs dafür ruhig, ausdrucksstark, mit Piano Elementen. Der letzte Song State Of Mind schließt das Album im sentimentalen Ton ab, mit einem Solo zum Schluss.

Von The Faim werden wir in Zukunft sicherlich noch eine ganze Menge hören, da das Album für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Wir freuen uns, die Zukunft dieser vielschichtigen Band mitzuverfolgen. Das ganze ist nämlich erst der Anfang für die Australier aus Perth.

https://www.youtube.com/watch?v=oM0xa0wVCNY

Das Header Foto wurde von Cyndi Lynott (BMG Group) aufgenommen.

[Record Review] Tiny Moving Parts - Breathe

SO WHY CAN'T I STAND STILL? WHY DO I ALWAYS MOVE IN CIRCLES?

Seit 2008 gibt es die selbsternannte "Family Band" aus Minnesota schon. Hauptsächlich dem Emo Revival zugeordnet, wird ihre Musik auch häufig als Math Rock oder Indie Rock beschrieben. Nicht ohne Grund, denn musikalisch bewegen sie sich zwischen den Genres: Sie vereinen die Melancholie und Ruhe des Emo Pop mit der Komplexität des Math Rock.

Dies wird in ihrem 7. Album "Breathe" wieder deutlich: ausgefeilte Riffs und eine experimentelle Kombination von Sounds, gespickt mit interessanten Spielereien und einem raschen Wechsel zwischen Clear Voice und Screams. Genauso heftig wechseln sich Phasen der Ruhe mit explosionsartigen Ausbrüchen von Emotionen ab. Die anfängliche Intensität der. Songs "The Midwest Sky" und "Light Bulb" nimmt im Laufe des Albums kurz ab, die Songs werden ruhiger. Das bleibt aber nicht lange so - an Abwechslung mangelt es auf jeden Fall nicht. Bei all der Wut, Trauer und Verzweiflung, die hier Ausdruck findet, dringt aber auch immer wieder etwas Hoffnung durch, wie etwa im Song "Bloody Nose".

Technisch ist all das sehr gut umgesetzt. Diese Verschmelzung verschiedener Einflüsse mag beim ersten Hören speziell wirken. Doch wer sowohl Emo Vibes als auch einen Output für seine Gefühle sucht, für den ist "Breathe" vielleicht was.

https://www.youtube.com/watch?v=T9BQBYwvljA


[Record Review] Being As An Ocean - Proxy: An A.N.I.M.O. Story

“This ain’t heavy metal” – Wer bei diesem Satz an Oli Sykes und Co. denken muss, hat sicherlich bereits mitbekommen, dass moderner Metalcore seit Neustem nicht mehr nur über Growls, Breakdowns und Cleangesang definiert wird. Synthesizer, E-Drums und Ähnliches lassen bei so manchem aktuellen Album wirklich daran zweifeln, ob es sich hierbei noch um Metalcore oder sonstige Subgenre handelt. Das dies keine schlechte Eigenschaft sein muss, haben BMTH ja bereits mit „amo“ gezeigt. Auch BAAO wagen den Schritt ins Unbekannte und nun stellt sich die Frage, ob „Proxy: An A.N.I.M.O Story“ wirklich überzeugen kann.

Bereits nach den ersten paar Songs wird klar, dass Being As An Ocean keine klassische Post-Hardcore Band mehr sein wollen, sondern nun vor allem elektronische Elemente den Ton angeben. Der erste Song „Play Pretend“ zeigt aber eindrucksvoll, dass das gut funktionieren kann: Im Kern ein mitreißender, kraftvoller BAAO-Song, der an den richtigen Stellen mit Effekten und Beats aufgewertet wird. Nach dem soliden „Find Your Way“ kommt mit „Brave“ ein Track, der die Schwächen des Albums sehr gut zusammenfasst. Der Song beginnt ruhig und melancholisch, Joels und Micheals Stimme stehen im Vordergrund. Im Chorus geht dann aber Michaels Stimme schlagartig in einem Beat unter, welcher mich am ehesten an das Instrumental eines kitschigen Charts-Sommerhits erinnert. Aber Spaß beiseite, generell wirken bei einigen Songs auf dem Album die elektronischen (Backing-)Beats deplatziert oder sind schlichtweg einfach zu viel. Weitere Beispiele hierfür sind „See Your Face“ und „Tragedy“ sowie die überflüssigen „Intro“, „Interlude“ und „Outro“.

Allgemein hätten viele Songs auf „Proxy: An A.N.I.M.O Story“ davon profitiert, wenn man sich weniger auf Effekte und Beats und mehr aufs Schlagzeug, Bass und Songwriting konzentriert hätte. Hierbei denke ich vor allem an die kitschigen Shotgun-Ladegeräusche, unpassende Samples, sowie schlichtweg eintönige Drum-Beats („See Your Face“, „Demon“, „Skin“ und „B.O.Y.“). Obwohl der Titel des Albums eine „Story“ verspricht, bietet BAAO hier vor allem die gewohnt melancholischen Texte und geht lediglich kurz in „B.O.Y.“ sowie dem Titeltrack auf eine futuristische Thematik ein. Dennoch möchte ich erwähnen, dass es auch einige positive Momente gibt. An einigen Stellen sind die neuen Elemente durchaus clever und gut eingesetzt und auch die unverkennbaren Stimmen von Joel und Michael kommen oft gut zur Geltung. Positiv überrascht haben mich dabei vor allem „Demon“ und „A.N.I.M.O.“, die beide bis auf Teile des Chorus stimmig, kraftvoll und gut gelungen wirken.

Fazit: Obwohl „Proxy: An A.N.I.M.O. Story“ mich beim ersten Hören ein wenig enttäuscht hat, ist durch genaueres Hinhören vor allem eins klar geworden: Es ist bei weitem kein schlechtes Album. Es hat seine starken Momente und genialen Ideen, ist aber an vielen Stellen einfach unstimmig und nicht wirklich ausgereift. Das Album wirkt für mich wie ein großes Experiment, bei dem sich die Band komplett neu versuchen möchte und auch wenn dies an einigen Stellen schiefgeht, zeigt sich in manchen Songs viel Potential.  Sollten BAAO also diese musikalische Richtung weiterverfolgen, darf man auf das nächste Album gespannt sein.


TOUR

10.11.2019 Köln, Kantine DE
12.11.2019 München, Backstage DE
13.11.2019 Nürnberg, Z-Bau DE
17.11.2019 Berlin, Lido DE
18.11.2019 Leipzig, Conne Island DE
19.11.2019 Hamburg, Knust DE
24.11.2019 Münster, Sputnikhalle DE
26.11.2019 Karlsruhe, Substage DE

 

https://www.youtube.com/watch?v=NWD5MMIjyMg


[Record Review] Acres - Lonely World

Album: Lonely World
Songs: 10
Länge: 39 Minuten
Genre: Post-Hardcore / Melodic-Hardcore

Acres, ein aus dem Vereinigten Königreich stammendes Post-Hardcore-Quartett, hatte in den letzten Jahren bereits 3 EPs („Self-Titled“, 2012; „Solace“, 2014 und „In Sickness and Health“, 2017) und mehrere Solotracks veröffentlicht. Außerdem waren sie bei zahlreichen Live-Auftritten vertreten, zuletzt als Supporting Act bei der Abschiedstournee von Casey. Nun haben sie am 9. August ihr langersehntes Debütalbum „Lonely World“ bei ihrem Label „A Wolf At The Door Recordings“ veröffentlicht.

Die Idee für den Namen des Albums hatte Sänger Ben Lumber, als er einen seiner Freunde, der alles verloren hatte und deshalb im Auto leben musste, bei sich aufnahm. In einem Gespräch sagte dieser Freund „o man, it's a lonely world“ und dies diente dem Sänger dann als Inspiration. Laut der Band dreht sich in diesem Album inhaltlich alles um „honesty“ (Ehrlichkeit bzw. Aufrichtigkeit). Auch die Einsamkeit, die schon im Titel angedeutet wird, nimmt eine zentrale Rolle in den Texten ein. Zusätzlich erklärt die Band, dass das Album eine Hommage an das Leben sei, wie sie es um sich herum sehen und wahrnehmen. So werden auch die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens und Themen wie Depressionen, Angststörungen oder Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen angesprochen. Diese Aufrichtigkeit wird in den emotionalen Texten, die beim Hören unter die Haut gehen, ansprechend umgesetzt.

Musikalisch lässt sich die Band dem Post-Hardcore zuordnen, dabei fallen besonders die häufigen sehr melodischen und eher leisen Passagen auf, die die Lyrics musikalisch passend untermalen und somit die Aufmerksamheit der Hörer auf gelungene Weise auf die Texte lenken. Dabei verzichtet die Band – bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. beim Titelsong „Lonely World“ oder bei „Hurt“ – auf Unclean-Vocals. Wenn diese allerdings verwendet werden, passen sie perfekt zur Atmosphäre des jeweiligen Songs. Trotz der vielen ruhigen Passagen gibt es andere, in denen auch Breakdowns verwendet werden, wie z.B. beim Track „Sharpen your Teeth“. Erwähnenswert ist auch, dass der erste Song, „Deathbed“, ein instrumentales Intro ist, welcher es direkt schafft, die Hörer auf das Album einzustimmen. Der letzte Song „Skin Over Mine“ beinhaltet ein ca. 1 ½-minütiges Outro und rundet das Album entsprechend ab. Insgesamt eine gelungene Sache!

Abschließend lässt sich feststellen, dass Acres ein beachtenswertes Debütalbum geschaffen haben; neben den bewegenden, emotionalen Texten haben manche Songs auch richtiges Ohrwurmpotential, wie z.B. der Titelsong „Lonely World“ wegen seines eingängigen Refrains. Daher an dieser Stelle eine klare Empfehlung, in das Album hineinzuhören. Außerdem sind Acres im Herbst mit ihrem Album auf Headline-Tour durch Europa, auch das solltet ihr auf keinen Fall verpassen!

https://www.youtube.com/watch?v=S-bTO8qcrl4


[Live Review] Neuborn Open Air Festival 2019

Datum: 23.08.2019 - 24.08.2019
Genres:  Metal, Metalcore
Location: Wörrstadt, DE

Location [1,5 von 2]:

Die Anfahrt ist simpel, da der Parkplatz gut zu finden und markiert ist. Die Entfernung zwischen Park- und Campingplatz ist zwar kurz, aber unbequem zu laufen, was jedoch dadurch ausgeglichen wird, dass das kurze Halten zum Ausladen vor dem Campground erlaubt ist. Ein absoluter Pluspunkt ist das Schwimmbad in der Nähe des Festivals, denn den Besuchern des NOAF ist die Möglichkeit gegeben das Freibad mit all seinen Vorzügen (Duschen (20ct), Toiletten, etc) kostenlos zu nutzen. Zwanzig Minuten Fußweg, die sich wirklich lohnen. Das Festivalgelände ist wirklich leicht zu erreichen, der Fußweg ist bequem und kurz, jedoch ist leider nur wenig Schatten gegeben, was bei den dieses Jahr extrem hohen Temperaturen etwas unpraktisch war.

Sound [2 von 2]:

Der Sound war 1 A abgemischt, es gab keinerlei Probleme oder Störungen und die Lautstärke war angenehm. Die Tontechniker haben wirklich ganze Arbeit geleistet.

Crowd und Mitarbeiter [1,5 von 2]:

Die Crowd hat sich benommen und die Stimmung war wirklich gut. An den Essensständen waren die Mitarbeiter zwar gut organisiert, zwischenzeitlich jedoch etwas unterbesetzt, was des Öfteren zu langen Wartezeiten führte. Die Securities waren sehr freundlich und zuvorkommend, der Herr an der Bändchenausgabe vor dem Gelände jedoch unfähig. Sein Handeln führte dazu, dass einige Besucher das Gelände nichtmehr ohne Ticket betreten durften, da sich die, nicht ordnungsgemäß geschlossenen Plomben der Festivalbändchen, bei der Kontrolle durch die Securities gelöst werden konnten.

Line-Up [2 von 2]:

Die Kombination der Bands war sehr gut und alle gewählten Genres harmonierten gut miteinander.
Für Benediction, welche Probleme bei der Einreise hatten, weswegen sie nicht pünktlich zu ihrem Auftritt erscheinen konnten, wurde schnell ein lokaler Ersatz gefunden. Somit gab es keinen Leerlauf und das Festival konnte wie geplant fortgesetzt werden. Wirklich toll war auch, dass Benediction ihren Auftritt nach dem eigentlichen Headliner (Amorphis) nachholen durften. Somit wurde niemand enttäuscht, der beispielsweise nur für diese Band angereist war.

Preise [1,5 von 2]:

Der Ticketpreis ist bei solchen Headlinern absolut gerechtfertigt. Das Bon-System war sehr gut organisiert, da man nur 10€ Wertkarten kaufen konnte was für eine Mahlzeit und ein Getränk inklusive Pfand reichte. Den Restwert der Wertkarte bekam man wieder ausgezahlt, auch die Abgabe der Pfandbecher war noch lange nach Ende der Konzerte möglich. Die Preise für die Getränke waren echt fair (z.B. 0,5l Cola, Limo 2€, 0,4l Bier 2,50€), ebenso das Pfand (2€) für die schicken Plastikbecher. Der Pfand wurde immer ausgezahlt oder entsprechend verrechnet. Das Essen war  teilweise etwas überteuert, aber immer noch fairer bezahlt als auf manch anderen Festivals (z.B. 2x Kartoffelpuffer 4€, Schwenkbraten mit Pommes 5,50€).

FAZIT [8,5 von 10]:

Das NOAF ist ein wirklich gut organisiertes und durchdachtes Festival mit klasse Line-Up und einer tollen Location. Das Preisleistungsverhältnis ist teilweise zwar verbesserungswürdig, ebenso die Menge der Mitarbeiter, doch alles in allem lohnt sich dieses Festival wirklich für jeden Metal- und Metalcorefan. Eine absolute Empfehlung, sowohl für Festival-Anfänger, als auch Profis die familiären Festivalcharme mögen.

Photo Credits: Michelle // morethandisarray


[Record Review] Northlane - Alien

„I was raised in hell, I made it out by myself“ – Das fünfte Studioalbum erschafft eine düstere und gewaltige Atmosphäre, die einen in eine ganz andere Welt versetzt. Die vorherigen Platten griffen weltliche und gesellschaftskritische Themen auf, „Alien“ jedoch ist ein sehr persönliches Album geworden. Northlane greift die problematische Kindheit von dem Vocalist Marcus Bridge auf, die von Gewalt und seinen drogenabhängigen Eltern geprägt war. Der Titel des Albums spiegelt auch wieder, wie die Band in der Szene wahrgenommen wird. „Northlane waren immer eine Ausreißer-Band“, so Bridge. Die Australier verknüpfen musikalisch Hardcore mit Elektro-Elementen, zusammen mit einer Mischung aus Growls, Shouts und Clean Vocal. Auf dem neuen Album kommt eine viel düstere Seite von ihnen zum Vorschein, für Leute die Crossover lieben und den Northlane Sound feiern können gespannt auf das Album sein, welches am 02.08.2019 erscheint.

Den Anfang macht Details Matter, der mit Aggressivität und Härte einschlägt. Die Riffs und Drums werden begleitet von charakteristischen und düsteren Synth- und Elektro-Sounds, die wir auch bei Bloodline hören. Der Song wurden als Pre-Single veröffentlicht und gab den Hörern einen Vorgeschmack für Alien. Clean Vocals und der ein Breakdown, der sicherlich so manche Pits zum Beben bringen wird. Bei 4D spielen Northlane mit Drums n Bass, das werden wir auf dem Album noch öfter hören. Mit verzerrter Stimme und Clean Vocals erschafft Marcus Bridge diesen leichten und gängigen Song einem obligatorischem Breakdown. Zum Schluss erhascht man noch Chorgesang, bis der Song fließend in Talking Heads übergeht, welches ebenso vorab veröffentlicht wurde. Ein Kontrast zwischen Hardcore und Bridge’s Clean Gesang, zusammen mit einem bösen und dreckigen Breakdown, womit definitiv jeder Geschmack bedient wird. Freefall, Paradigm und Jinn variieren alle drei im elektronischen Sound, doch merkt man spätestens beim Breakdown, dass diese Song sich leider kaum in dem Album hervorheben, denn sie klingen ähnlich und vorhersehbar. Anders als Eclipse, unser persönlicher Favorit, bei dem sich Northlane aus der Industrial Schiene bedient und einen nahtlosen Übergang zum Metalcore erschafft und Rift, der als ruhiger Kontrast mit durchgängigem Drums and Bass und Clean Vocals abkühlend wirkt. Vultures liefert den typische Northlane Sound, zusammen mit variierenden Riffen und kräftigen Drums. Der letzte Song des Albums ist Sleepless, zum Abschluss liefert die Band uns noch einen vermeintlich ruhigen Song, dieses Mal begleitet von Pianoklängen. Die Atmosphäre entlädt sich in einem kraftvollen Peak, der zum letzten Mal musikalisch in die Metalcore/Hardcore Schiene übergeht.

Im Winter 2019 kommen Northlane zusammen mit Polaris, Void Of Vision und Silent Planet auf Tour bei uns in Deutschland. Lasst euch die Show nicht entgehen!


TOUR

22.11.2019 Karlsruhe, Weiße Rose DE
10.12.2019 Hamburg, Markthalle DE
11.12.2019 Berlin, SO36 DE
13.12.2019 Leipzig, Conne Island DE
17.12.2019 München, Backstage DE
20.12.2019 Köln, Essigfabrik DE
21.12.2019 Wiesbaden, Schlachthof DE

 

https://www.youtube.com/watch?v=ni8qtNKujmo


[Live Review] Traffic Jam Open Air 2019

Datum: 19/20.7.2019
Ort: Fahrübungsplatz Dieburg, DE
Genre: Hardcore, Punk, Rock, Alternative

Location:
Auch dieses Jahr fand das Traffic Jam seinen Platz auf dem Verkehrsübungsplatz in Dieburg. Eine gute Anreisemöglichkeit boten Bus und Bahn, wer allerdings mit dem Auto angereist ist, hatte ein Problem mit der Parkplatzsuche. Das Gelände hat leider keine Parkplätze zur Verfügung gestellt und Besucher mussten sich einen Parkplatz, von welchem sie nicht abgeschleppt werden können, im Industriegebiet suchen. Das Gelände selbst bot allerdings genug Platz für Festival, Besucher und Campingplatz.
[1,25 von 2]

Sound:
Größere Zwischenfälle blieben aus, Soundchecks haben die Festivalstimmung nicht unterbrochen und die Besucher konnten auf dem gesamten Gelände die Musik genießen, ohne durch zu hohe Lautstärken gestört zu werden. Einen Minuspunkt bekommt der Sound dennoch, denn bei vereinzelten Bands war der Sound übersteuert, oder stark quietschend, was sehr penetrant, wenn es dann aufkam, in den Ohren störte.
[1,5 von 2]

Besucher und Mitarbeiter:
Bis auf ein paar kleinere Ausnahmen, waren sowohl Mitarbeiter als auch Besucher höflich und freundlich, das Orga-Team ist eines der angenehmsten, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet haben. Schon beim Parken gab es allerdings kleinere Komplikationen, denn die Auskunft der Mitarbeiter, über die Parkerlaubnis im Industriegebiet, stimmte nicht mit der Auskunft der Securities auf den Parkplätzen überein. Bei der Kontrolle der Campingausrüstung wurde teilweise ungenau kontrolliert, sodass es Besuchern, trotz Verbot, gelang Glas mit auf das Gelände zu führen. Die Sicherheit der Besucher in der Menge war leider so unüberschaut, dass Besucher teilweise sehr stark blutend aus der Menge zurück kamen.
[1,3 von 2]

Preise:
Der Festivalpreis war, auch mit Camping, recht erschwinglich und mit dem Line-Up, sowie der Festivalqualität mehr als gerechtfertigt. Die Angebote für Essen und Trinken waren sowohl breit gefächert als auch preisgünstig, auch am Merchandise-Stand konnte man Schnäppchen ergattern. Die Zahlung erfolgte hier, wie auch in den letzten Jahren, durch ein Cashless System, diesmal mit sog. JAM MARKS, welche aus recycelten Fischernetzen bestehen.
[2 von 2]

Line – Up:
Das Line-Up des Festivals war gut aufgebaut, die Auswahl der Bands war durchgehend stimmig. Eine kleine Abwechslung bot die Mischung aus nationalen und internationalen Acts, wobei der Schwerpunkt auf der Seite der nationalen Bands lag und das Festival sich auch den Spruch “support your local scene” sehr zu Herzen genommen hat.
[2 von 2]

Fazit:
Sieht man von der Parksituation und den Ungenauigkeiten bei der Sicherheit ab, war das Traffic Jam ein gelungenes Festival und seinen Preis wert. Dazu ist es ein sehr familienfreundliches Festival, was Wert auf Nachhaltigkeit, aber auch ein unvergessliches Erlebnis legt.
[8,05 von 10]


[Record Review] SUM41 - Order In Decline

Endlich ist es wieder soweit: neues Material von Sum 41 ist da. Auch nach 24 Jahren denken die Pop-Punk-Größen noch lange nicht ans Aufhören. Ein Album mit 10 Tracks ist es diesmal geworden.

„Order in Decline“ schlägt erneut härtere Töne an. Neben einigen Lückenfüllern hat das Album ein paar starke Songs mit der für Sum 41 typischen Power. „13 Voices“ war musikalisch teilweise Richtung Pop abgedriftet – jetzt ist davon definitiv nichts mehr zu spüren. Die schon vorher als Singles erschienenen Tracks „Out for Blood“ und „A Death in the Family“ zeigten, wohin die Reise geht: Das hier wird Sum 41-Sound, wie man ihn kennt und liebt. Das setzt sich im Rest des Albums weitestgehend fort. Der Synthesizer wurde diesmal weniger angefasst, dafür gibt es mehr auschweifende Gitarren-Solos. Die Einflüsse aus dem Metal treten zwar nicht so stark zutage wie bei „Screaming Bloody Murder“, machen sich aber durchaus bemerkbar. Was mich gefreut hat: Derycks Stimme hat nach der langen Zeit wieder an Kraft dazugewonnen.

Die Texte sind diesmal, wie von der Band angekündigt, häufig politisch. Ein herausragendes Beispiel dafür ist „45 (A Matter of Time)“, eine Kritik an Donald Trump. Andere Tracks handeln wiederum von ganz persönlichen Dingen, etwa „Never There“, die einzige Ballade auf dem Album.

„Order in Decline“ bietet wenige Überraschungen, weder im positiven, noch im negativen Sinne. Jedoch klingt es, als hätten Sum 41 sich mit diesem Album ein stückweit selbst wiedergefunden, nach zwei musikalisch sehr durchwachsenen Alben. Es ist schön zu sehen, dass Sum 41 nach wie vor nicht stillstehen und bereit sind, sich weiterzuentwickeln.

 

https://www.youtube.com/watch?v=3A27bHME73I


[Live Review] Jera On Air 2019

DATUM: 27.-29.06. 2019
ORT: YSSELSTEYN, NL
GENRE: PUNK, HARDCORE, METALCORE

LOCATION 
[1,3 von 2]:
Mitten im sonst eher ruhigen niederländischen Flachland wird es einmal im Jahr so richtig laut: Bei Ysselsteyn hinter Venlo steigt das Jera on Air Festival. Doch obwohl es mitten im Nirgendwo ist, scheint der Platz eher begrenzt zu sein. Das Gelände wirkte zu klein für die 10.000 Besucher, die sich zwischen den Ständen und von gigantischen Zelten Überdachten Stages drängten. Die Konzerte fanden auf dem Festival also beinahe Indoor statt. Geschmackssache - bei Regen bietet das gewiss Vorteile, bei der dort vorherrschenden Hitze aber staute sich die Luft in diesen Zelten. Über das Gelände im Allgemeinen und seine Ausstattung kann man sich aber nicht beklagen â sehr ebene Fläche auf dem Campground, kostenlose Spültoiletten und Duschen sowie Waschbecken und Trinkwasserspender. Das einzige, was sie nicht einrichten konnten, war ein nachhaltigeres Müll- oder Pfandsystem. Bei jedem zweiten Schritt trat man auf einen kaputten Plastikbecher. Das Gelände war durch den sandigen Boden auch sehr staubig und neben der braunen Suppe die in der Dusche herunter lief, hat man auch die hand vor Augen irgendwann nicht mehr gesehen.

LINE UP [1,5 von 2]:
Ursprünglich ein Hardcore Festival, lockt das Jera on Air dieses Jahr mit einem Mix aus Metalcore, Deathcore, (Ska-/Pop-) Punk und natürlich viel klassischem Hardcore. Wer kein Fan von letzterem ist, kam wohl häufig vor allem für die größeren Bands. Generell spielten auf den drei Hauptstages bemerkenswert viele Bands - oft leider zulasten der Playtime. Vor allem die kleineren auf der Buzzard Stage bekamen nur 30-50 Minuten. Überschneidungen gab es wenig, aber leider fehlte auch die Zeit, um zwischen den Stages zu wechseln, sodass man öfter mal den ersten Song der nächsten Band verpasste. Trösten konnte man sich später dafür bei der sogenannten Punk Rock Bar oder der Rave Stage.

PREISE [1,5 von 2]:
Allgemein waren sowohl der Ticketpreis als auch die Preise für Verpflegung und Merch durchaus angemessen. Wenn etwas mal ein wenig teurer war, ließ sich das ganz gut mit dem Bonsystem kaschieren. Dass man die Bons am Ende nicht wieder umtauschen konnte, ist ein kleiner Minuspunkt.

SOUND 
[0,5 von 2]:
In der Soundqualität gab es starke Schwankungen. Bei manchen Bands hörte man auch mitten in der Menge kaum was, dann wiederum war der Klang klar - und sehr laut. Zudem standen die Stages relativ nah beieinander, sodass einem auf dem Infield hin und wieder die Bässe aus allen Seiten entgegen wummerten.

BESUCHER UND MITARBEITER [1,5 von 2]:
Die Mitarbeiter waren durchgehend freundlich und hilfsbereit. Das Publikum, sehr international, machte auch wenig Probleme. Leider schafften die Festivalbetreiber es nicht, die Besucher beispielsweise durch Einführen eines Müllpfands dazu zu erziehen, am Ende der Veranstaltung keine Müllberge auf dem Camp oder dem Konzertgelände zu hinterlassen.

FAZIT 
[6,2 von 10]:
Selten waren wir über ein Festival so zwiegespalten. Manche Dinge wurden super gelöst, andere ließen noch zu wünschen übrig. Gerade die überdachten Konzerte nahmen ein wenig das Open-Air-Feeling - in der Hinsicht ist das Jera wohl alles andere als “on Air”, von dem staubigen Gelände gar nicht erst anzufangen. Für viele Besucher ist es aber anscheinend genau das Richtige, Asthmatiker sollte sich jedoch ein Festival mit festerem Boden suchen.