[Record Review] Kind Kaputt - Zerfall

STELL DIR MAL VOR, WIR MÜSSTEN IMMERZU VERSTECKEN, WER WIR SIND...

Schon in dem ersten Song ihres Debütalbums „Zerfall“ machen Kind Kaputt klar, dass dies eine schonungslos ehrliche Scheibe wird. Die Post-Hardcore-Formation gibt den Unsicherheiten Ausdruck, denen sich diese Generation ausgesetzt fühlt: Von der Suche nach einem Halt im Leben und einer Elterngeneration, die diesen nicht bieten kann. Von nicht erfüllten Erwartungen und fehlender Idendifikation mit den alten Werten und Rollenbildern. Von einer Generation, die nichts weiter sucht als einen Zusammenhang und Zugehörigkeit.

So rastlos klingt die Musik auch: melodische Refrains wechseln sich ab mit Ausbrüchen von Emotionalität und unerwarteter Härte. Der Stil erinnert dabei an Heisskalt. Melancholische Parts, unterbrochen von harten Riffs – ein gutes Beispiel dafür ist der Track „Geisel“. Dennoch finden Kind Kaputt auf „Zerfall“ zu einem ganz eigenen Stil.

https://www.youtube.com/watch?v=3ROw_7DRbT0

Eine Anklage an die Elterngeneration, aber auch die Frage: Wie soll man seinen Platz in der Gesellschaft finden? Wie soll man mit diesem Zustand umgehen – Flucht, Akzeptanz, Anpassung? Ich könnte es nicht besser auf den Punkt bringen, als die Band selbst. Daher kann ich nur empfehlen, sich das Album selbst anzuhören und sich eigene Gedanken zu machen. Es lohnt sich.

Header Photo Credits: https://garage-sb.de/wp-content/uploads/2019/01/Kind-Kaputt-Presse-2019-6.jpg


[Record Review] Devil May Care - Echoes

Emotionsgeladen. Mitreißend. Für seinen Vater.

So lässt sich das zweite Album der Würzburger Post-Hardcore-Formation Devil May Care treffend beschreiben. Qualitativ wurde, verglichen mit der ersten Platte, noch einmal ordentlich eine Schippe draufgelegt.

Schon im ersten Song wird der Hörer mit voller Wucht von einer Wand aus Gitarren erfasst und umgehauen. Von da an wechseln sich eingängige, klar gesungene Refrains mit schweren Gitarrenriffs ab. Mal klingen etwas hoffnungsvollere Töne an, dann wieder dringt Wut, Schmerz und Verzweiflung in voller Härte durch. Ein eindrucksvolles Beispiel für letzteres ist der Song Odyssey, der einen direkt mitnimmt und das Leiden des Sängers mitfühlen lässt. Energiegeladen und mit mehr Tempo kommt der Track Our Hope daher, der genau wie Odyssey und L.I.A.R. schon vorher als Single erschienen war.

Track Nr. 10, der den Namen des Albums trägt, sticht besonders hervor. In der eher ruhigen Ballade findet der Schmerz über den Verlust einer geliebten Person Ausdruck – das Hauptthema des Albums. Die zentralen Themen, die Zerissenheit zwischen Loslassen und Weitermachen ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Für mich alles in allem sehr überzeugend; man merkt der Scheibe an, das sie der Band einiges bedeutet. Meiner Meinung nach haben die Newcomer viel an Potential.

https://www.youtube.com/watch?v=zsqbYbJfvKM

Wir vom DisLike Magazine legen diese Band euch sehr ans Herz, vor allem wenn ihr gerne Bullet for my Valentine, Rise Against, Breaking Benjamin und alles in diesem Spektrum und etwas härter mögt, denn mit Echoes haben sie eine Platte würdig dieser Liga herausgebracht!

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Header Photo Credit: https://devilmaycare.band/


[Record Review] Hi! Spencer - Nicht Raus, Aber Weiter

Geschworen, schöner zu scheitern.

Mit der aus dem Indie liebgewonnenen Leichtigkeit offenbaren uns Hi! Spencer in ihrem neuen Album ihre Emotionen. Die Texte erzählen uns von Zweifeln und Hoffnung, von Liebe und Schmerz, vom Scheitern und von Neuanfängen. Im Gegensatz zum ersten Album lässt die Indie-Punk-Band diesmal weniger Punk durchklingen, aber dafür mangelt es umso weniger an Abwechslung: mal klingt es eher getragen und locker, wie in Nicht raus, aber weiter dann wieder treibend, etwa in Wo immer du bist. Die volle Ladung Melancholie gibt das Album uns beim Song Klippen, um uns mit dem letzten Track wieder abzuholen und voller Hoffnung zu enden. Zwischen eingängigen Melodien und emotionsgeladenen Gitarrenriffs versuchen die Osnabrücker hier ihren ganz eigenen Stil zu finden. Die innere Zerissenheit, die thematisiert wird, kommt in dieser gelungenen Mischung sehr gut rüber. Gerade in jungen Jahren, wenn man selbst noch auf der Suche nach seinem ganz eigenen Weg ist, erkennt man sich möglicherweise darin wieder.

https://www.youtube.com/watch?v=f3ObAqklc4M

Auch, wer einfach nur auf deutschsprachigen Indie á la Jupiter Jones oder AnnenMayKantereit steht, ist bei Nicht raus, aber weiter sehr gut aufgehoben.

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Header Photo Credit: Andreas Hornoff (https://www.fkpscorpio.com/de/presse/hi-spencer)


[Record Review] Chiefland - Wildflowers

THIS ISN'T ABOUT POETRY - IT'S ABOUT US

Mit dieser Zeile aus dem Song UNTIED dieses Albums lässt sich die ganze Scheibe am besten beschreiben. Bei erstem Hören denkt man vermutlich an die früheren Zeiten von Being as an Ocean oder ALAZKA, doch schnell merkt man, dass es noch viel mehr in sich hat als 'eine weitere Band dieses Genres' zu werden. Wer auf HOTEL BOOKS oder LA DISPUTE steht, wird hier seine neue Lieblingsband finden, denn CHIEFLAND bietet die perfekte Mischung mit eigener Note.

Während des Hörens ihrer neuen Platte wird schnell auffällig, wie viele Zeilen einfach 'gesprochen' werden - wie beim Poetry Slam. Musikalischer Poetry Slam, wenn man so will. Gemischt mit vielen gefühlsvollen Shouts entsteht daraus ein Feuerwerk an Leid, Mitgefühl und Nachempfinden, ja manchmal gemischt mit Gedanken an vergangene Zeiten. Die Ehrlichkeit hinter dieser Band und dieser CD zieht den Hörer direkt in den Bann, sogar kurz in eine andere Welt. In den Songs dieser Platte wird jeder etwas finden, wozu er sich verbunden fühlt, ob es zwischenmenschliche Beziehungen sind oder Hardships mit denen man als Mensch selbst wachsen muss. Daher passt dieses Zitat zu Beginn am besten, um diese Platte zu beschreiben, denn es eht nicht nur darum, Gedichte in melodischer Form zu interpretieren, sondern um UNS. Wer das UNS am Ende darstellt, das kann natürlich die Band alleine uns nur verraten, doch das schöne an gelungener Musik ist, dass jeder selbst seine Gedanken hinein interpretieren kann und am Ende selbst festlegt, wen er in diesem UNS sieht, vielleicht sogar auch nur sich selbst darin sieht,

WILDFLOWERS ist auf jeder Ebene gelungen - musikalisch, textlich und atmosphärisch. CHIEFLAND sind die nächste große Sensation dieser Szene und werden noch einige große Dinge uns servieren - wir können es kaum abwarten was die Zukunft dieser Band bieten wird, aber eins ist sicher - es wird großartig!

https://www.youtube.com/watch?v=VfGgYwVBXqM

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Header Foto Fotocredit: Dirk Erdmann https://www.contrapromotion.com/kuenstler/chiefland/


[Live Review] Never Say Die! Tour Köln 2018

Datum: 23.11.2018
Ort: Essigfabrik, Köln, DE
Genre: Melodic-Hardcore

LOCATION
Egal, ob man mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreist – die Essigfabrik ist bestens zu erreichen. Mit Parkplätzen hingegen sah es nicht allzu gut aus, es gab so gut wie keinen Platz, um sein Auto abzustellen. Außerdem war auch in der Halle selbst der Platz knapp. Da zu viele Menschen da waren, standen sie teilweise bis zum Eingang, wo es durchaus kühl wurde. Schade, denn eigentlich gefällt mir persönlich die Location mit ihrem etwas “abgeranzten” Charme sehr. Immerhin gab es dieses Jahr erstmals einen Wellenbrecher. [1 von 2]

SOUND
Auch beim Sound muss einiges kritisiert werden: teilweise schlecht abgemischt und von mittelmäßiger Qualität, wurde der Klang den tollen Bands nicht immer gerecht. Und obwohl es nicht allen wie ein Manko erscheinen mag: es war auch ein bisschen zu laut. Da hätte man einiges besser machen können. [0,8 von 2]

CROWD & MITARBEITER
Zu dem Event kamen eigentlich fast nur nette Manschen, die einfach nur die Musik genießen wollten. Auch die Crew war größtenteils in Ordnung, jedoch lief die Organisation nicht immer ganz rund, was den Durchschnitts-Besucher aber (hoffentlich) nicht tangiert hat. [1,6 von 2]

LINE-UP
Für Metalcore- und Melodic Hardcore-Fans war das Line-Up mit Größen wie Being as an Ocean, Northlane, Casey und ALAZKA ein Träumchen und bot dazu noch die nötige Abwechslung. Das ließ keine Wünsche offen! [2 von 2]

PREISE
Mit durchschnittlich 3,50€ pro (Soft-)Getränk sind die Preise etwa auf dem Niveau einer gewöhnlichen Kneipe. Die Merchpreise rangieren zwischen 25€ (T-Shirt) und 40€ (Jacke), wobei die von Casey verkauften Sachen im Schnitt 5€ günstiger waren. Insgesamt ist hier alles noch im akzeptablen Bereich. [1,4 von 2]

FAZIT
Für sich genommen bot die Tour in Köln ein schönes Erlebnis, allerdings mit einigen Mängeln. Bleibt zu hoffen, dass sich das nächstes Jahr ändert. [6,8 von 10]

Fotos by: Michelle // morethandisarray


[Live Review] Pell-Mell Festival 2018

Datum: 31.08.2018 – 01.09.2018
Genres: Hardcore, Rock, Skapunk, Punk
Location: Obererbach, DE

Location [1,8 von 2]
Das Pell-Mell-Festival fand dieses Jahr wieder auf dem Sportgelände der Gemeinde Obererbach statt. Das Festivalgelände selbst war übersichtlich und familiär gehalten. Der Campingplatz war über eine abgesperrte Straße auch schnell und leicht zu erreichen und wie das Gelände sehr ordentlich. Ein kleines Minus stellt lediglich die Beschaffenheit des Bodens auf dem Festivalgelände dar, der schon sehr staubig war und aufgrunddessen man im Pit schnell nichts mehr gesehen hat.

Preise [2 von 2]
Die Preise für Getränke und Speisen reichten von 2-8 Euro und das Angebot war mit Klassikern wie Currywurst bis hin zu veganen Burgern und Crepes sehr vielfältig. Das Merch wurde von 12-45 Euro verkauft und die Qualität der Ware hat mit dem Preis übereingestimmt, daher volle Punktzahl.

Line-Up [2 von 2]
Das Line-Up war dieses Jahr wieder sehr vielfältig und mit Melodic Hardcore über Metalcore und Punk bis hin zu Crossover war für jeden Geschmack etwas dabei. Mit internationalen Größen wie DeezNuts und Madball, die diesjährigen Headliner, war trotz einiger krankheitsbedingten Absagen ein hochwertiges Bühnenprogramm gegeben.

Besucher und Mitarbeiter [1,8 von 2]
Die Stimmung in der Crowd war auch wieder echt geil, weit und breit keine Konzerttouristen und auch das Verhalten der Besucher im Pit war super korrekt. Die Veranstalter haben wir als kompetent und sympathisch erlebt. Die chronische Unter- bzw Nichtbesetzung des Sani-Zeltes hingegen stellt ein kleines Minus dar.

Sound [0,5 von 2]
Was den Sound anbelangt, haben wir allerding einige Kritikpunkte anzubringen. So gab es vermehrt Mikrofon- und Boxenstörungen sowie nervige Störgeräusche. Außerdem waren die Boxen am 2, Festivaltag deutlich lauter als am Ersten, wodurch die Soundqualität stark variiert hat. Liebes Pell-Mell, das könnt ihr besser!

Fazit [8,1 von 10]
Alles in allem trotz kleinerer Störfaktoren ein gelungenes Festival mit einzigartigem Character, auf das wir jetzt schon wieder hinfiebern!

Photo Credits: Michelle / morethandisarray