[Gaming Review] Bloodroots

GAMEREIHE: Action-Adventure
PREIS/PLATTFORM: 20€ (PS4, PC, Switch, Xbox One)
DAUER BIS 100%: 4-6 Std.
SCHWIERIGKEIT: 3/5
RATING: 4/10

Während man als Gamer im neuen Jahr noch auf die großen Releases wartet, gibt es jetzt schon einige vielversprechende Games zu entdecken. Wem der Sinn hierbei nach einem chaotischen Action-Adventure steht, findet mit „Bloodroots“, dem neusten Spiel vom Indie-Entwickler „Paper Cult“, ein witziges Singleplayer-Spiel. Man begibt sich hierbei in bunter Comic-Optik als „Mister Wolf“ auf einen klassischen Rachefeldzug gegen den Erzfeind „Schwarzer Wolf“ und metzelt sich auf dem Weg durch Unmengen von Gegnern. Aber verbirgt sich hinter hübscher Grafik und furiosem Gameplay mehr als nur ein kleiner Zeitvertreib?

Angefangen bei der Spielwelt zeigt sich die größte Stärke von „Bloodroots“. Jedes Level bringt ein eigenes Design mit sich: Wald, Wüste oder Schneelandschaft, zudem interessante Abwechslung durch Neon- und Wasteland-Abschnitte. Die bunte Grafik, geprägt von schön ausgearbeiteten Farbkontrasten, macht die Spielwelt trotz linearem Aufbau zum Hingucker. Weiterhin gilt das Motto „die Welt ist deine Waffe“: Statt die Gegner mit fester Waffe in Grund und Boden zu schießen, lässt sich nahezu die ganze Spielwelt, egal ob Karotte oder Laserschwert, als Prügelinstrument nutzen. Da jede Waffe sich nach Benutzung abnutzt oder kaputt geht, ist oft Improvisationstalent gefordert. Das abwechslungsreiche Gemetzel von Gegnern wird außerdem noch von spannender Musik unterlegt und mit witzigen Finisher-Szenen abgerundet.

Im Spielverlauf zeigen sich aber auch einige Schwächen des Indie-Adventures. Die Rache-Story um „Mister Wolf“ ist sehr oberflächlich erzählt, in jedem der drei Akte kämpft man sich durch Gegner-Horden, bevor man einen generischen Boss-Gegner vor sich hat. Die Geschichte wird auch durch die, teils sehr schlechte, deutsche Übersetzung nach kurzer Zeit zu überspringbarem Beiwerk. Dazu kommen einige nervige Fehler in der Spielmechanik, welche den Spielspaß oft mindern: fehlerhafte 3D-Darstellung von Plattformen, teils ungenaue Steuerung, wechselnde Kameraeinstellungen oder spärlich platzierte Kontrollpunkte. Einen Wiederspielwert hat das Spiel leider nur für Gamer, die darauf aus sind, den eigene Highscore in jedem Level zu brechen.

„Bloodroots“ ist trotz einladender Grafik und spaßigem Gegnergemetzel vor allem ein Spiel für Hardcore-Gamer und Indie-Adventure-Liebhaber. Die wirkliche Herausforderung des Spiels liegt hier meist im Navigieren der hakeligen Spielmechanik. Das lineare Design und der kurze Singleplayer bieten auf Dauer nur wenig Spielspaß für den Casual-Gamer. Nichtsdestotrotz hätte „Bloodroots“ Potential, mit einer besseren Spielmechanik und einem Koop-Modus zu einem spannend-witzigen Indie-Game für Zwischendurch zu werden.

Fotocredits: http://www.papercultgames.com/presskit/sheet.php?p=bloodroots


[Record Review] Matt Holumbowski - Weird Ones

Mit „Weird Ones“ veröffentlicht der kanadische Sänger und Songwriter Matt Holubowski sein drittes Album und somit den langersehnten Nachfolger von „Solitudes“ und „Ogen, Old Man“.
Das Album startet mit dem gleichnamigen Song „Weird Ones“ welcher dort anzusetzen scheint, wo das vorherige Album geendet hat.
Anstatt den Zuhörer mit einem vollkommen neuen Sound zu überrollen, konzentriert sich der Track zunächst auf Matts Stimme sowie Akustik Gitarre um schließlich sanft in die neueren Klänge und Kompositionen überzugehen. Mit „Two Paper Moons“ zeigt sich dann schließlich der vollkommen neue Charakter der Platte. Dieser ist vor allem durch elektronische Elemente geprägt, die immer wieder für eine Überraschung sorgen.
Grundsätzlich scheint das Album einen doch recht anderen und mehr frei-fließenden Weg zu folgen.
Schlagzeug und Bass unterscheiden sich stark vom Vorgängeralbum. Anstatt die Musik zu begleiten und in ihrem Fundament zu stützen, sind sie in diesem eine unabhängige Allianz mit Momenten, in denen sie heraus zu brechen scheinen. Kraftvoll und stark zeigen sich diese Elemente, um schließlich von einem sanften Zupfen der Akustikgitarre gebändigt zu werden.
Holubowskis Stimme selbst zeigt sich atemberaubend.
Bei den atmosphärischen Parts singt er nur, wenn nötig, wodurch seine Stimme nur noch kraftvoller scheint. 
Das Album zeigt die beste Seite des Künstlers mit catchy Folk Refrains in Songs wie „Greener“ als auch die gefühlvolleren, langsamen Vocals in Liedern wie „The Highlands“. Der Kanadier schreibt seine Melodien unvorhersehbar, aber trotzdem zugänglich für den Hörer und sorgt somit für den Drang zum Mitsingen.
Einen einprägsamen Moment beherbergt der Song „Around Here“ in welchem nach dem Verstummen der Stimme des Sängers man nur noch einen Vogel zwitschern hört. Der Refrain von „Down the Rabbit Hole“ zeugt von einem weiteren tiefgehenden Moment mit Tönen, welche ebenso schnell verschwinden, wie sie auftauchen.
Der vorletzte Track des Albums „Mellifluousflowers“ hingegen richtet sich wieder mehr nach dem Sound von „Solitudes“ und ist somit eine wunderbare Überleitung zu dem fast zehnminütigen Finale „Love, The Impossible Ghost“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Weird Ones“ eine fast schon ätherische Erfahrung ist, welche die Neuentwicklung Holubowskis zeigt, ohne die Wurzeln von „Solitudes“ oder „Ogen, Old Man“ zu vernachlässigen.

https://www.youtube.com/watch?v=C7IGr_2dw_U

 

Fotocredits: William Arcand


[Record Review] The Amity Affliction - Everyone Loves You... Once You Leave Them

Mit „Everyone Loves You Once You Leave Them“ veröffentlichen The Amity Affliction ihr neues und somit siebtes Album, welches am 21. Februar 2020 über Pure Noise Records erscheint und zeigen sich damit sowohl von der gewohnten als auch einer neuen Seite.

Das Album selbst scheint wie immer eine vollkommen eigene Geschichte zu erzählen, die einem erst beim näheren Hinhören bewusst wird.
 Es zeigt sich stets von seiner besten Seite, wechselt knüppelharten Post-Hardcore mit doch melodischeren Songs ab, nur um wieder zu dem düsteren, grungigen Charakter zurück zu finden.

Mit dem Song „Coffin“ haben The Amity Affliction einen hervorragenden Einstieg gefunden, den man mit einem guten Freund vergleichen könnte, der einem etwas Neues aber vielleicht schon in der Art Bekanntes zeigen möchte. „Coffin“ startet ruhig, zeigt aber schnell den gleichen, knallharten und grungigen Charakter wie die Vorab-Singles „All My Friends Are Dead“ und „Soak Me In Bleach“.

„All I Do Is Sink“ hingegen zeigt sich doch wieder von der sanfteren Seite und erinnert an den schon fast typischen, nicht ganz so düsteren Stil der Band von wechselnden Screampassagen und melodischem Klargesang.

Einen doch anderen Stil bringt schließlich „Baltimore Rain“ mit sich, der sich zu Anfang so gar nicht nach dem Quartett anhört, aber doch schnell davon überzeugt, dass er auf der Platte definitiv seinen Platz gefunden hat. „Aloneliness“ tut es seinem Vorgänger fast gleich, unterscheidet sich aber dennoch durch seine anderen Melodien sehr davon. Der Song bringt eine gewisse Ruhe mit sich, die dem doch sehr düsteren Album eine kleine Ruhepause gönnt, um die Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen.

Allerdings wird diese fast schon entspannende und beruhigende Pause schnell von dem gewohnten Stil abgelöst und bricht mit „Born To Lose“ schließlich die letzte Barrikade um wieder düsterer und vor allem härter zu werden. Besonders zeigt der Song eine Seite, welche The Amity Affliction doch eher selten zum Vorschein bringen. Die Screams haben zum Teil einen beinahe wahnsinnig klingenden Unterton, welcher die Gefühle und Lyrics nur noch stärker hervorhebt.

Mit „Fever Dream“ könnte man zunächst meinen, dass der Sturm von „Born To Lose“ vorüber gezogen ist, doch schnell zeigt sich, dass dieser Song eher das Gegenteil bewerkstelligt. Trotz der ruhigeren Melodie und dem weniger heftigen Gesang zeigt „Fever Dream“ seine Power und leistet somit einen unglaublich angenehmen Einstieg für den Abschluss des Albums.
Die Single „Catatonia“ hingegen bricht gegen Ende des Albums mit aller Kraft hervor und zeigt doch einen starken Kontrollverlust über die eigenen Emotionen. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit mit all dem Geschehenen klar zu kommen, bringt der Song auf seine ganz eigene Art und Weise rüber und lässt einem mit einem Berg an Emotionen und Gedankengängen zurück.

Mit „Everybody Loves You Once You Leave Them“ haben The Amity Affliction definitiv ein Album geschaffen, welches sich absolut sehen lassen kann und auch den gewohnten Stil der Band nicht vernachlässigt. Trotzdem zeigt sich der Mut zu etwas Neuem und das mit vollem Erfolg.
Für manche könnte die doch düstere und härtere Stimmung zunächst abschreckend wirken, allerdings hat auch dieses Album definitiv Songs, die schon frühere Fans begeistern wird.

https://www.youtube.com/watch?v=iF6tDQiQJm4

Fotocredits: Pure Noise Records


[Record Review] ITCHY - Ja als ob!

WAS SOLL UNS SCHON PASSIEREN?

Unter dem Motto haben ITCHY nun ihr achtes Album veröffentlicht – erstmals auf deutsch. Dass sie damit ein Wagnis eingehen, wusste die Pop-Punk-Band ganz offensichtlich. Umso interessanter war es für uns, was bei dem Experiment wohl herauskommen würde.

Ganz in alter ITCHY-Manier kommt die neue Musik daher – und doch irgendwie anders.

Allem Anschein nach hat die Band sich diesmal von verschiedener, vor allem deutscher Musik inspirieren lassen: zeitweise erinnern sie an die Rockband Madsen (wie der Song „Godzilla“) dann schwingt plötzlich was von deutschem Hip-Hop à la Fettes Brot mit („Ja als ob“). Am Ende klingen sie dann aber doch ganz wie sie selbst.

Schonungs- und kompromisslos und mit einer ordentlicher Portion Ironie kommentieren sie das aktuelle Zeitgeschehen. Beispielsweise in „Nicht weg“, einem klaren Aufruf, sich gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft zu stellen, anstatt wegzusehen. „Beyonce & Jay-Z“ hingegen handelt von der ständigen Reizüberflutung mit schlechten Nachrichten, vor allem auf Social Media.

Schon das letzte Album der Band war recht politisch – und „Ja als ob“ steht dem in nichts nach.

Außerdem erzählen die Jungs selbstironisch von ihren eigenen Fehlern.

Leider passt an manchen Stellen die Rhythmik des Textes nicht ganz zur Melodie; gerade beim Opener „Faust“ fällt das auf. Vielleicht muss man sich hier noch an deutsches Songwriting gewöhnen. Andererseits ist das genau die Schwierigkeit dabei: deutsche Texte nimmt man als Muttersprachler völlig anders wahr, jede kleine sprachliche Unbeholfenheit springt direkt ins Auge. Außerdem zeigen andere Tracks auf dem Album, das sie es durchaus können, so wie „Ich wollte noch“.

Nicht überall ist ITCHY dieses Experiment also ganz gelungen. Dafür bietet das Album sound-technisch durchaus eine gewisse Vielfalt und bringt, vor allem gegen Ende des Albums, einige starke Songs hervor ( z. B. „Wo seid ihr denn alle“). Der Experimentrierfreudigkeit, die sich auch schon auf „All We Know“ zeigte, wurde hier weiter freien Lauf gelassen.

„Ja als ob“ ist auf jeden Fall nicht, was man von der Band erwartet hatte. Daher brauchte es einige Male, bis das Album mich überzeugte. Aber es zeigt, dass die Band durchaus auch Potential in Sachen deutscher Musik hat.

 

https://www.youtube.com/watch?v=hNO7KuWtFrM

FotoCredits: Diana Mühlberger


[Live Review] Crowdsalat Festival 2019

DATUM: 19.10.2019 | ORT: Essen, Weststadthalle | GENRE: Metalcore/Hardcore

LOCATION
Die Weststadthalle in Essen ist eine verhältnismäßig kleine Location am Rande der Innenstadt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie genauso gut zu erreichen wie mit dem Auto. Die Zufahrt zum Parkplatz ist leider etwas umständlich, wenn man sich nicht in der Gegend auskennt — dafür ist der direkt nebenan. Das Gebäude bot für dieses Festival genau die richtige Größe. Von innen ist die Halle gemütlich und familiär, die offene Bühne ragt etwas in den Raum hinein und erlaubt den Bands mehr Nähe zum Publikum. Insgesamt bietet die Weststadthalle eine grundsolide Location! [1.5 von 2]

PREISE
Den Ticketpreis von 25€ (VVK) bzw. 30€ (AK) fand ich durchaus noch fair, genau wie die Preise für Getränke und Merchandise, die sich alle sehr im Durchschnitt bewegten. Zudem boten noch einige kleine Clothing-Labels auf dem Festival ihre Waren an. Lediglich die Getränkeauswahl wäre etwas ausbaufähig gewesen. [1.5 von 2]

LINE-UP
Beim Line-Up kommen Fans des Metal-/Hardcore durchaus auf ihre Kosten. Das Festival bot neben Größen wie Imminence (die für ordentlich Stimmung sorgten!) oder Silent Screams auch die Möglichkeit, kleinere Bands und Newcomer kennenzulernen. Auch die wurden von vielen als sehr gut wahrgenommen. [2 von 2]

BESUCHER UND MITARBEITER
Das Sicherheitspersonal war sehr humorvoll und locker, die Verkäufer freundlich. Auch die Festivalbesucher waren sehr nette Menschen, die einfach die Show genießen wollten – so, wie es sich in der Szene gehört. [2 von 2]

SOUND
Selbst die besten Bands bringen einer Veranstaltung nichts ohne gescheiten Sound. Vereinzelt klang es etwas übersteuert, meistens aber gab es keine größeren Probleme. Im Vergleich zu anderen – auch weitaus größeren – Festivals, auf denen ich in letzter Zeit war, schien der Klang doch ganz gut abgemischt. [1.5 von 2]

FAZIT
Ohne größere Erwartungen sind wir hingefahren und wurden dann sehr positiv überrascht. Bis auf ein paar Kleinigkeiten gibt es nicht viel an der Veranstaltung zu kritisieren. Dafür, dass es sich um das erste Festival des noch jungen Magazins handelte, war es sehr gelungen! [8.5 von 10]

Photo Credits: Michelle // morethandisarray


[Live Blog] Tiny Moving Parts - Luxor, Köln

TINY MOVING PARTS 03.10.2019 IN KÖLN

Das Luxor in Köln – so unauffällig der dunkle Club nahe des Südbahnhofs von außen wirkt, so heftig war die Party darin an diesem Donnerstag Abend. Die amerikanische Emo-Revival-Band lockte genug Besucher in den Laden, dass kaum ein Blatt Papier zwischen die Leute gepasst hätte.
Den musikalischen Anfang machte Lizzy Farrall, eine Alternative-Sängerin, und sorgte auch schon für ein wenig Bewegung im Publikum. Enttäuschend fand ich wiederum den zweiten Support, eine ziemlich an Grunge erinnernde Rockband namens Microwave, bei der man den Eindruck hatte, sie hätten schon vor dem Konzert einen über den Durst getrunken.
Entsprechend war die Spannung, als man den Headliner Tiny Moving Parts erwartete. Die würden an diesem Abend niemanden enttäuschen – im Gegenteil. Sie übertrafen mit ihrer Performance alle Erwartungen. Die Band gab alles; genau wie ich, die im Fotograben etwas ungelenk versuchte, ihrem allerersten Fotoauftrag gerecht zu werden und zumindest ein, zwei ansehnliche Fotos zu schießen. Währenddessen bebte der Raum. Die unfassbar positive Energie, die der Sänger ausstrahlte, schien sich auch auf das Publikum zu übertragen. Auch ein Paar Crowdsurfer gab es. Dennoch hatte die Security relativ wenig zu tun und der Abend ging, wie erwartet, sehr friedlich über die Bühne. Viele zufriedene Gesichter sah man an dem Abend aus dem Luxor spazieren, darunter auch meins.

Wer also mal die Gelegenheit hat, sich Tiny Moving Parts live anzusehen, darf sie sich auf keinen Fall entgehen lassen!


[Record Review] The Faim – State Of Mind

Zuvor noch unterwegs auf Tour mit ihrer EP Summer Is A Curse, sammelten The Faim schon Bühnen Erfahrung mit Sleeping With Sirens, spielten schon auf dem Download Festival und waren zuletzt beim Lollapalooza in Berlin zu sehen. Am 13.09.2019 wurde das Debütalbum State Of Mind von dem Quartett aus Australien veröffentlicht, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Menge mit catchy Sing-a-longs und Chart-taugliche Refrains auf ihre Seite zu ziehen. Die Songs sind poppig, groovig und laden zum Tanzen und mitsingen ein.

Einflüsse aus der Indie Schublade ziehen sich durch das ganze Album, welches nur so vor Diversität strotzt. Kein Wunder, denn ihre damalige EP ist dadurch entstanden, indem sich verschiedenste hochkarätige Autoren (beispielsweise Pete Wentz von Fall Out Boy) mit der Band zusammen gesetzt haben und aus unvollständigen Kompositionen Top Hits erschaffen haben. Aus State Of Mind wollten The Faim aber ein ganz persönliches Album machen, sowohl lyrisch als auch musikalisch, ebenso haben sie einen vielschichtigen Sound erschaffen. Tongue Tied ist ein klassischer Indie Rock Song, der instrumentell mit dem Piano begleitet wird. Humans ist deutlich ruhiger, dafür aber poppiger im Refrain und reinlaufenden Sing-a-longs. Summer Is A Curse kennen wir aus der gleichnamigen EP, der mit 12 Millionen Streams für den Durchbruch der Band gesorgt hat. Einen kleinen Abstecher in die Punkrock Richtung machen The Faim mit Buying Time, der Song erinnert an alte Songs von Green Day und machen Lust auf mehr. Amelie rockt ordentlich ab und ist elektrisierend, Where The River Runs dafür ruhig, ausdrucksstark, mit Piano Elementen. Der letzte Song State Of Mind schließt das Album im sentimentalen Ton ab, mit einem Solo zum Schluss.

Von The Faim werden wir in Zukunft sicherlich noch eine ganze Menge hören, da das Album für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Wir freuen uns, die Zukunft dieser vielschichtigen Band mitzuverfolgen. Das ganze ist nämlich erst der Anfang für die Australier aus Perth.

https://www.youtube.com/watch?v=oM0xa0wVCNY

Das Header Foto wurde von Cyndi Lynott (BMG Group) aufgenommen.

[Record Review] Tiny Moving Parts - Breathe

SO WHY CAN'T I STAND STILL? WHY DO I ALWAYS MOVE IN CIRCLES?

Seit 2008 gibt es die selbsternannte "Family Band" aus Minnesota schon. Hauptsächlich dem Emo Revival zugeordnet, wird ihre Musik auch häufig als Math Rock oder Indie Rock beschrieben. Nicht ohne Grund, denn musikalisch bewegen sie sich zwischen den Genres: Sie vereinen die Melancholie und Ruhe des Emo Pop mit der Komplexität des Math Rock.

Dies wird in ihrem 7. Album "Breathe" wieder deutlich: ausgefeilte Riffs und eine experimentelle Kombination von Sounds, gespickt mit interessanten Spielereien und einem raschen Wechsel zwischen Clear Voice und Screams. Genauso heftig wechseln sich Phasen der Ruhe mit explosionsartigen Ausbrüchen von Emotionen ab. Die anfängliche Intensität der. Songs "The Midwest Sky" und "Light Bulb" nimmt im Laufe des Albums kurz ab, die Songs werden ruhiger. Das bleibt aber nicht lange so - an Abwechslung mangelt es auf jeden Fall nicht. Bei all der Wut, Trauer und Verzweiflung, die hier Ausdruck findet, dringt aber auch immer wieder etwas Hoffnung durch, wie etwa im Song "Bloody Nose".

Technisch ist all das sehr gut umgesetzt. Diese Verschmelzung verschiedener Einflüsse mag beim ersten Hören speziell wirken. Doch wer sowohl Emo Vibes als auch einen Output für seine Gefühle sucht, für den ist "Breathe" vielleicht was.

https://www.youtube.com/watch?v=T9BQBYwvljA


[Record Review] Being As An Ocean - Proxy: An A.N.I.M.O. Story

“This ain’t heavy metal” – Wer bei diesem Satz an Oli Sykes und Co. denken muss, hat sicherlich bereits mitbekommen, dass moderner Metalcore seit Neustem nicht mehr nur über Growls, Breakdowns und Cleangesang definiert wird. Synthesizer, E-Drums und Ähnliches lassen bei so manchem aktuellen Album wirklich daran zweifeln, ob es sich hierbei noch um Metalcore oder sonstige Subgenre handelt. Das dies keine schlechte Eigenschaft sein muss, haben BMTH ja bereits mit „amo“ gezeigt. Auch BAAO wagen den Schritt ins Unbekannte und nun stellt sich die Frage, ob „Proxy: An A.N.I.M.O Story“ wirklich überzeugen kann.

Bereits nach den ersten paar Songs wird klar, dass Being As An Ocean keine klassische Post-Hardcore Band mehr sein wollen, sondern nun vor allem elektronische Elemente den Ton angeben. Der erste Song „Play Pretend“ zeigt aber eindrucksvoll, dass das gut funktionieren kann: Im Kern ein mitreißender, kraftvoller BAAO-Song, der an den richtigen Stellen mit Effekten und Beats aufgewertet wird. Nach dem soliden „Find Your Way“ kommt mit „Brave“ ein Track, der die Schwächen des Albums sehr gut zusammenfasst. Der Song beginnt ruhig und melancholisch, Joels und Micheals Stimme stehen im Vordergrund. Im Chorus geht dann aber Michaels Stimme schlagartig in einem Beat unter, welcher mich am ehesten an das Instrumental eines kitschigen Charts-Sommerhits erinnert. Aber Spaß beiseite, generell wirken bei einigen Songs auf dem Album die elektronischen (Backing-)Beats deplatziert oder sind schlichtweg einfach zu viel. Weitere Beispiele hierfür sind „See Your Face“ und „Tragedy“ sowie die überflüssigen „Intro“, „Interlude“ und „Outro“.

Allgemein hätten viele Songs auf „Proxy: An A.N.I.M.O Story“ davon profitiert, wenn man sich weniger auf Effekte und Beats und mehr aufs Schlagzeug, Bass und Songwriting konzentriert hätte. Hierbei denke ich vor allem an die kitschigen Shotgun-Ladegeräusche, unpassende Samples, sowie schlichtweg eintönige Drum-Beats („See Your Face“, „Demon“, „Skin“ und „B.O.Y.“). Obwohl der Titel des Albums eine „Story“ verspricht, bietet BAAO hier vor allem die gewohnt melancholischen Texte und geht lediglich kurz in „B.O.Y.“ sowie dem Titeltrack auf eine futuristische Thematik ein. Dennoch möchte ich erwähnen, dass es auch einige positive Momente gibt. An einigen Stellen sind die neuen Elemente durchaus clever und gut eingesetzt und auch die unverkennbaren Stimmen von Joel und Michael kommen oft gut zur Geltung. Positiv überrascht haben mich dabei vor allem „Demon“ und „A.N.I.M.O.“, die beide bis auf Teile des Chorus stimmig, kraftvoll und gut gelungen wirken.

Fazit: Obwohl „Proxy: An A.N.I.M.O. Story“ mich beim ersten Hören ein wenig enttäuscht hat, ist durch genaueres Hinhören vor allem eins klar geworden: Es ist bei weitem kein schlechtes Album. Es hat seine starken Momente und genialen Ideen, ist aber an vielen Stellen einfach unstimmig und nicht wirklich ausgereift. Das Album wirkt für mich wie ein großes Experiment, bei dem sich die Band komplett neu versuchen möchte und auch wenn dies an einigen Stellen schiefgeht, zeigt sich in manchen Songs viel Potential.  Sollten BAAO also diese musikalische Richtung weiterverfolgen, darf man auf das nächste Album gespannt sein.


TOUR

10.11.2019 Köln, Kantine DE
12.11.2019 München, Backstage DE
13.11.2019 Nürnberg, Z-Bau DE
17.11.2019 Berlin, Lido DE
18.11.2019 Leipzig, Conne Island DE
19.11.2019 Hamburg, Knust DE
24.11.2019 Münster, Sputnikhalle DE
26.11.2019 Karlsruhe, Substage DE

 

https://www.youtube.com/watch?v=NWD5MMIjyMg