[Interview] Fräulein Kunst und Tinte

Wie Susi gegen die Erwartungen ihrer Eltern und ihres Opas, aus einem Spaß heraus ihren Beruf fand und warum ihr ein Kunde in ihrer Ausbildung vom Stuhl gekippt ist erfahrt ihr im Interview mit Fräulein Kunst und Tinte.

Stell dich einmal kurz vor! 
Mein Name ist Susi und unter dem Künstlernamen Fräulein Kunst & Tinte verschönere ich seit mittlerweile 6 Jahren die Astralkörper der Leute. Mit 19 Jahren „irgendwie da rein gerutscht“ habe ich darin meine Passion gefunden und sehe mich seitdem selbst weniger als Dienstleister, sondern mehr als freien Künstler der zusammen mit den Menschen, in allen Ecken ihres Gehirns, nach individuellen Motivideen sucht. Zusammen mit meinem Mann Markus ( Sio Motion // The Desaster Area ) habe ich im August 2015 ein eigenes Atelier in Jena eröffnet, dass uns Beiden genug Raum bietet sich kreativ auszutoben. Ansonsten gibts nicht viel über mich zu sagen: ich essen gerne und viel, bin ne typische Catmom und streame Games auf Twitch.tv – alles Sachen denen ich während der derzeitigen Covid-19 Arbeitssperre für Tätowierer besonders viel Aufmerksamkeit schenken kann.

Wie kamst du zum Tätowieren?
Nachdem ich mit 18 Jahren mein Abitur gemacht habe, wusste ich irgendwie nicht so richtig wohin mit mir. Vor allem mein Opa war mächtig stolz und hat mich schon als erste studierte in der Familie gesehen, aber ich konnte mich nicht so recht seinen Wünschen nach einem Studium beugen. Die Aussicht darauf die nächsten Jahre weiter die Schulbank zu drücken, schienen mir nur wenig attraktiv. In der Zeit habe ich mich auch das erste Mal tätowieren lassen, woraufhin 3 weitere Tattoos in einem Monat folgten. Ich hab immer schon gerne gezeichnet und mich mit meinem damaligen Tätowierer auch gut verstanden, weshalb ich da irgendwie so reingerutscht bin. Der richtige Startschuss fiel allerdings als mein Paps unbedachterweise sowas äußerte wie „Wenn du dich weiter so viel tätowieren lässt, dann nimmt dich kein Arbeitgeber mehr. Da kannste nur noch selber sowas machen.“ Fanden meine Eltern am Anfang gar nicht so prickelnd, dass ich das ernst genommen und mir ein Studio gesucht habe, welches mich ausbildet.

Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?
Das Wichtigste für mich ist es individuelle Motive zu designen. Ich kann die Leute nicht verstehen die mit nem gegoogletem Tattoobild zu nem Artist rennen und dieses 1 zu 1 auf ihre Haut übertragen haben wollen.. Alle wollen immer einzigartig und auffallend besonders sein, weshalb ich mich Frage: Wo ist da der Sinn?
Ansonsten will ich einfach nur ne coole Zeit haben, ich betrachte es als Ehre, dass so viele Menschen zu mir kommen und meine Kunst unter ihrer Haut wertschätzen. Ich kann nur hoffen, dass es für immer so bleibt.

Erzähl uns von deiner lustigsten oder komischsten Kundenstory!
Ich habe während meiner Ausbildungszeit mal Jemandem einen Gapfiller zwischen die Schultern verpasst. Der Typ war ungelogen so breit wie er hoch war, ein richtiger Schrank. Schon gut zutätowiert, hat er auf mich gewirkt wie ein riesiger Koloss.
Ich hatte ihn damals auf einen normalen Stuhl gesetzt, weil mir das vollkommen ausreichend erschien. Ich war also guter Dinge, bis er immer wieder langsam begann sich nach vorne zu beugen. Ich fragte ob alles okay wäre und sagte, dass er nicht immer vor mir wegrutschen dürfe. Er entschuldigte sich und betonte wie angenehm das Gefühl sei, nicht zu vergleichen mit anderen Stellen wie zb die Schienbeine.. Tja, es hat jedenfalls nicht lange gedauert bis dieser riesige Typ mir einfach vornüber wegkippte. Einfach weggetreten. Das dumpfe Geräusch beim Aufprall werde ich nie vergessen. Ich wusste, dass ich nicht lachen durfte, aber diese Szene wirkte so surreal auf mich. Seitdem weiß ich, dass ich auch die zugehacktesten Schränke lieber auf ne Liege lege und mich nicht mehr vom „starken Mann“ gehabe täuschen lasse.
Versteht mich nicht falsch- es ist niemals lustig oder schlimm, wenn Jemandem unwohl beim tätowieren wird. Aber die Tatsache, dass dieser Riese vor mir keine Schwäche eingestehen wollte, war irgendwie doof. Btw ist er immer noch ein Stammkunde und wir lachen heute gemeindam über diese Erinnerung.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?
Ich persönlich finde es schwer meinen Stil zu beschreiben, er ist ne Mischung aus Dotwork, Linework, Neotraditional und manchmal auch ein bisschen ornamentisch. Am liebsten arbeite ich entweder nur mit einer Farbnuance oder ganz in schwarz/ weiß.
Es gibt einfach so viele großartige Tattooartists deren Arbeiten ich gerne verfolge und mich von ihnen inspirieren lasse, da kam ich wohl nicht umhin mir so einen Mischmasch Stil anzueignen.

Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?
Puuuh.. das ist ne harte Nuss an Frage auf die ich selber keine Antwort kenne. Wie schon erwähnt empfinde ich jedes Tattoo, das ich stechen darf, als große Ehre. Da müsstet ihr also eher meine Kunden fragen warum sie immer wieder so gern zu mir kommen.

Was ist dein Zukunftsziel mit deiner Karriere? 
Das Ziel worauf ich hinarbeite, ist es tatsächlich die Möglichkeit zu haben noch bis ins hohe Alter erfolgreich tätowieren zu können. Ich stelle es mir super lustig vor irgendwann mal 70 Jahre alt zu sein und immer noch die jungen Hüpfer mit Farbe unter der Haut zu versorgen, während ich ihnen Yoda-Like irgendwelche Lebensweisheiten mit auf den Weg gebe. Son bisschen Herbert Hoffmann like ( nicht dass ich mich jemals mit sojemandem vergleichen könnte ).

Lieblingstattoo(an dir)?
Mein liebstes Tattoo an mir selbst ist mein Skateboard fahrendes und Eiscreme schleckendes Faultier auf meinem Schienbein. Warum? Weil es tatsächlich eine Art Selbstportrait darstellt und mir immer zeigt wer ich bin.

Lieblingsbands?
Meine Lieblingsmusik kommt derzeit von The Plot in You, Imminence und zum abschalten höre ich gerne alt-J.
Allgemein bin ich aber ziemlich breit gefächert und lass mich immer gerne von den Künstlerradios auf Spotify für Neues begeistern.

Lieblingsvideospiel?
Mein all time favorite ist wohl Rainbow Six Siege, zumindest hält sich das Game seit Jahren auf meiner PS. Aber auch hier ist das Zauberwort Abwechslung- von Klassikern wie Zelda, über Storyline basierte Spiele wie Death Stranding bis hin zu Neuerscheinungen auf der Konsole wie Hunt: Showdown wird alles zelebriert.

Lieblingsfestival?
Ich glaub von allen Festivals auf denen ich früher unterwegs war, hatte ich die beste Zeit auf dem Full Force. Ich erinnere mich da auch direkt an Heaven Shall Burns Auftritt zurück, bei dem während der Song „Endzeit“ gespielt wurde, einfach die Welt um uns herum unter zu gehen schien. Mit 51 Verletzten durch Blitze war das zwar sau gefährlich, aber auch cool genug, dass es sich für immer in mein Hirn eingebrannt hat.

Lieblingsklamottenlabel?
Die Frage kann ich leider nicht beantworten, da ich nicht so sehr fokussiert auf einzelne Labels oder Marken bin. Ich unterstütze und kaufe was mir gefällt und versuche meinen Kleiderschrank abwechslungsreich zu halten.

Lieblingssong/Album?
Zu meiner heavy rotation während langen Autofahrten gehört der Song „Doomsday“ von Architects und das Album Phoenix von Alazka ( obwohl ich hier besonders gespannt auf ihren neuen Stuff bin )

Was möchtest du zum Schluss unseren Lesern sagen?
Seid nicht so doof und lasst euch von Dienstleistern (die sich unverdienter Weise Tätowierer schimpfen) Copycats unter die Haut stechen. Geht zu Leuten die genug Passion und Können mitbringen, um euch individuellen Shit zu designen. Geht zu richtigen Künstlern die sich nicht auf den Lorbeeren Anderer ausruhen und selbst kreatives Leisten können. Thats it.


[Interview] Tobias Schneider

Wie Tobias vom Hobby-Kritzeln mit der Maschine über WG-Zimmer Tattooeinlagen zu seinem Beruf kam, wie er seiner Meinung nach das perfekte Arbeitsklima herstellt und von seinem weiterlaufenden Weg der Stilfindung könnt ihr hier im Interview lesen!

Stell dich einmal kurz vor! 
Hi, ich bin Tobias Schneider, 28 Jahre jung und komme ursprünglich aus der schönen schwäbischen Stadt Ulm, wohne aber seit 6 Jahren in Berlin.

Wie kamst du zum Tätowieren?
Vor 7 Jahren habe ich aus Spaß mit einer Maschine angefangen, an mir selbst das Tätowieren zu üben. Allerdings bestand damals keine Intention, das als Beruf auszuüben. Irgendwann habe ich allerdings in meinem WG-Zimmer meine Freunde tätowiert und dann kam relativ kurzfristig doch der Entschluss, eine Ausbildung zum Tätowierer zu beginnen. Ich habe mich in mehreren Studios mit einer Mappe beworben und habe dann schlussendlich in unserer Hauptstadt ein Studio gefunden, welches mich aufgenommen hat. Dort war ich allerdings nur für ein paar Monate, da ich aus persönlichen Gründen das Studio gewechselt habe.
Vor anderthalb Jahren habe ich dann mit einer Freundin zusammen ein eigenes privates Studio in Kreuzberg eröffnet.
Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?
Wichtig ist mir, dass man als sich „Kunde“ wohl in unserem Studio fühlt und sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Kunden und mir aufbaut. Allerdings versuche ich, die Distanz dennoch zu wahren, sodass ein professionelles Arbeitsklima herrscht.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?
Angefangen habe ich mit Traditionals. Als ich die Ausbildung angefangen habe, kamen dann natürlich Sachen wie Schriftzüge, Unendlichkeitszeichen etc hinzu. Als ich das Studio gewechselt habe, bin ich dann eine komplett andere Schiene gefahren. Ich habe damals viel Dotwork, Blackwork und Mandalas gemacht. Damals war das der letzte Schrei und irgendwann hat es mich dann doch sehr gelangweilt und war auch zu einem gewissen Zeitpunkt sehr anstrengend, da man damals noch keine Ipads hatte, mit denen man relativ zügig ein Mandala entwerfen konnte. Ich habe bevor es diesen technologischen Fortschritt gab, noch alles per Hand gezeichnet. Mittlerweile tätowiere ich aber fast ausschließlich wieder Traditionals.
Meine Findungsphase war sehr lange, aber ich denke, dass ich immernoch nicht genau weiß, wohin die Reise geht. Man lernt ja schließlich nie aus.
Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?
Ich sehe mich nicht in der Position zu sagen, dass man sich UNBEDINGT ein Tattoo bei mir abholen lassen soll. Wenn man als Kunde meine Arbeiten mag und mir freie Hand lässt, dann reicht mir das schon.
Was ist dein Zukunftsziel mit deiner Karriere?
Ein wirkliches Ziel habe ich nicht wirklich. Ich möchte einfach nur tätowieren, so lange es eben geht.
Lieblingstattoo(an dir)?
Mein Lieblingstattoo ist mein Backpiece von Marcos Ortega (auch aus Berlin). Ich habe mir ein klassisches Design von Bert Grimm tätowieren lassen, welches sich Sundance nennt.
Lieblingsbands?
Lieblingsbands gibts viele. Ich habe mich für Musik erstmals auf einem Hardcorekonzert von Death Before Dishonor interessiert. Auch wenn ich die Band nicht höre, hat mich der Stil damals sehr geprägt. Ich höre mittlerweile weniger Hardcore, aber mein all time favourite ist TURNSTILE. Momentan höre ich aber lieber Hip Hop. Spotify sagt, dass Kanye West mein Lieblingskünstler ist. Auch Kaytranada ist super!
Lieblingsvideospiel?
Ich hab früher viel gezockt, mittlerweile eher weniger. Aber wenn ich die Zeit finde, dann zocke ich Battlefield 5.
Lieblingsfestival?
War nie wirklich der Festivalbesucher. Ich brauch ne Dusche und ein Bett.
Lieblingsklamottenlabel(Fokus liegt hier auf Independent Labels)?
ZIRKUS ZIRKUS
Lieblingssong/Album?
KANYE WEST – LIFE OF PABLO
Die Fotos hat uns Tobias Schneider zur Verfügung gestellt.


[Interview] Isabell Mira Tattoo

“Ich bin 23 Jahre alt und tätowiere im Dezember seit 3 Jahren. Seit diesem Oktober arbeite ich im Bold as Love in Stuttgart. “ – und wie genau sie arbeitet, und was genau diese Ausmacht, das findet ihr hier.

Wie kamst du zum Tätowiern?

Später einmal Tätowiererin zu werden, spukte mir schon immer im Kopf rum. Ich wollte aber tatsächlich erst studieren bzw. eine Ausbildung machen und bewarb mich nach meiner Ausbildung zur Biotechnologischen Assistentin für das Informationsdesign Studium. Während ich auf die Rückmeldung wartete, habe ich in einem Tattoostudio als Aushilfe im Shopmanagement angefangen und als ich die Absage des Studiums bekam, wurde mir vorgeschlagen, im Studio als Azubi anzufangen. So bin ich dann in den Beruf reingeschlittert.

Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?

Mir ist es sehr wichtig, dass das Klima im Shop stimmt. Man verbringt immerhin einen großen Anteil seiner Zeit auf der Arbeit und da sollte die Umgebung und auch das Verhältnis zu den Kollegen auf jeden Fall stimmen, um sich wohl fühlen und sein besten geben zu können. An meiner Arbeit ist mir Individualität und Sauberkeit sehr wichtig. Das Tattoo sollte zu der Person, die es trägt passen und nicht einfach eine Kopie eines anderen Tattoos sein. Sowas ist weder dem anderen Artist noch dem anderen Tätowierten gegenüber fair.

Erzähl uns von deiner lustigsten oder komischsten Kunden-Story!

Die witzigsten Kunden sind immer die, die einen Tag oder Woche zu früh im Studio stehen!

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?

Ich arbeite gerne im traditionellen/neo-traditionellen Stil, mit Tendenz eher Richtung traditionell. Beschreiben würde ich meinen Stil aber generell als sehr vielfältig, da ich während meiner Tattoo-Ausbildung viele verschiedene Bereiche umsetzen durfte. Zu kitschige Motive spiegeln mich jedoch nicht wieder.

Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?

Weil ich immer mein bestes gebe, die Kunden wunschlos glücklich zu machen und die Zeit mir gezeigt hat, dass ich mich sehr gut in die Vorstellungen des Kunden hineinversetzen kann. Außerdem kann man mit mir auch super gut quasseln! 😉

Was ist dein Zukunftsziel mit deiner Karriere?

Das allgemeine Ziel ist natürlich bei jedem einzelnen Tattoo, die Menschen mit ihren Tattoos glücklich zu machen. Ich würde mir wünschen, in Zukunft mit dem Tätowieren auch noch etwas rum zu kommen und in Studios im Ausland oder auf renommierten Conventions zu arbeiten.

Lieblingstattoo(an dir)?

Ein Lieblingstattoo an mir habe ich nicht. Jedes einzelne hat etwas für sich.

Lieblingsbands?

Bei einer Lieblingsband sieht es auch eher schwierig aus. Früher habe ich super gerne System Of A Down gehört und momentan höre ich eher ältere Sachen wie z.B. The Smiths.

Lieblingsvideospiel?

Da ich nie wirklich intensiv gezockt habe, bleiben meine Kindheitshelden Crash Bandicoot und Spyro meine All Time Favourites. Die PS1 spiele habe ich immer noch. 🙂

Lieblingsfestival?

Seit einigen Jahren nehme ich mir vor mal aufs Download Festival in England zu gehen. Hat nur leider bis jetzt noch nicht geklappt.

Lieblingsklamottenlabel(Fokus liegt hier auf Independent Labels)?

Ich weiß leider nicht in wie weit das Label independent ist aber Lurking Glass von Sketchy Tank hat super coole Shirts. Darauf bin ich gestoßen, als er eine Kollaboration mit einer Instagram Seite, die entweder sehr witzige Tattoos oder auch sehr sehr schlecht gestochene Tattoos postet, hatte.

Lieblingssong/Album

Das fällt mir schwer zu sagen, da ich Abwechslung mag.

Was möchtest du zum Schluss unseren Lesern sagen?

Klingt ein bisschen spießig aber “Think before ink!”.

Die Fotos sind vom Artist zur Verfügung gestellt worden.


[Interview] Frechdachs Tattoo

Tim’s Tattoos drehen sich rund um Cartoon und Animes, die er im Neo-Traditional Stil auf eure Haut in seinem Studio “Der Eremit” verewigt. Wie er was wieso macht, das haben wir ihn für euch hier gefragt.

Wie kamst du zum Tätowieren?

Ich weiß nicht ob es mir im Blut lag, als ich damals meine Freunde schon mit Stiften bemalt habe, oder ob das Interesse erst recht spät, ich würde sagen durch die Musik, größer wurde. Allerdings habe ich tatsächlich vor Jahren mal durch ein Seminar in diesen Beruf reinschauen können. Ich bin wirklich kein Fan von diesen Seminaren. Vor allem nicht wenn diese, wie in meinem Fall, durchs Fernsehen verbreitet werden aber ja so habe ich angefangen. Ich habe diesen Bericht in einer Spiegel-TV Reportage gesehen, habe meine Mutter um Geld angepumpt und habe mich dann angemeldet. Keine Ahnung wie viel Geld ich damals dafür ausgegeben habe, aber das war nicht gerade wenig. Bekommen habe ich drei Tage in einem kleinen alten Bahnhofshäuschen, mit drei Mitbewerbern die auf dieses „Angebot reingefallen“ sind.
Zudem gab es ein Maschinenset aus China, was sich jeder für 50 Euro hätte erwerben können. Der Lehrer war ein lustiger und ranziger Typ, der sich an vielen dummen Menschen eine goldene Nase verdient hat. Am Ende dieser Erfahrung, sollte man sich dann gegenseitig tätowieren. Hahaha wenn ich das so erzähle, bemerke ich gerade wie dämlich das war. Aber hey hätte ich das nicht getan, dann wäre ich niemals und da bin ich mir wirklich sicher niemals zum tätowieren gekommen.
Dann habe ich einige Zeit nichts gemacht, da ich meine Schule beenden und mich neu orientieren musste. Im Laufe der Zeit habe ich mir aber gedacht – starte ich in einem Shop, in dem ich lernen wollte , es aber außer Pleiten, Pech und Pannen nichts zu lernen gab. Daher habe ich mich recht schnell wieder abgekapselt und meinen eigenen Shop auf gemacht. Ich bin nun mittlerweile seit sechs Jahren selbstständig und würde sagen das war das Beste was ich jemals aus meinem Leben machen konnte.

Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?

Wichtig ist mir definitiv die Hygiene bei der Arbeit, aber das sollte natürlich für jeden Tätowierer eine Selbstverständlichkeit sein. Dann natürlich, dass ich für jeden Kunden das Motiv individuell gestalte und kein es weiteres Mal gestochen wird. Außerhalb der Haut finde ich es wichtig, dem Kunden eine vertraute Atmosphäre zu bieten damit dieser sich so wohl wie nur möglich fühlt. Leider gelingt es nicht immer mit den Kunden einen Draht aufzubauen aber ich gebe mir größte Mühe, dass sich niemand unwohl fühlt 🙂 Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und nur für den Kunden da zu sein arbeiten wir bei uns im Shop hinter verschlossener Tür, damit man nicht alle zehn Minuten für Laufkundschaft parat sein muss.

Erzähl uns von deiner lustigsten oder komischsten Kundenstory!

Ich hatte mal ne Kundin so ca um die 50 Jahre die fand es total scharf dass ich wie ihr Sohn heiße. Diese Kundin wollte die absurdesten Motive auf ihren Arsch tätowiert haben und stand andauernd nackt vor mir. Das war wirklich eine ganz ganz komische Situation und es passierte einfach bei jedem Termin. Hahaha, das war echt verstörend 😀

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?

Oh ich glaube ich habe eigentlich gar keinen Stil. Ich würde mich als Allrounder beschreiben der einfach Vorlieben für Dragonball und allgemein Comic/Anime Motive hat. Dennoch liebe ich es auch neo-traditionelle/traditionelle und Dotwork Motive zu stechen.

Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?

Ich bin nicht der Typ dafür der sagen würde, dass man unbedingt ein Tattoo von mir haben muss, im Gegenteil. Ich fühle mich von jedem Kunden geehrt, der sich ein Tattoo von mir abholt bzw meine Arbeiten lobt. Denn bitte was gibt es grandioseres als, dass Menschen deine Arbeit feiern oder unter ihrer Haut tragen wollen. Ich habe mir das alles ganz alleine mit viel Energie und Leidenschaft erarbeitet und das ist einfach das großartigste Gefühl wenn mein Instagram aufploppt und mir jemand schreibt, der Bock auf ein Tattoo von mir hat. Also man braucht keins von mir aber ich verspreche jedem der Bock auf eins hat, dass ich mein ganzes Herzblut da rein investiere 🙂

Was ist dein Zukunftsziel mit deiner Karriere?

Ich habe alles erreicht was ich mir damals hätte erträumen können. Ich bin rundum glücklich und hätte niemals damit gerechnet, dass aus dieser Entscheidung einfach der beste Beruf wird den man nur haben kann. Das einzige was ich mir wünsche wäre, dass ich niemals die Leidenschaft für den Beruf und meine ganz wunderbaren Kunden verliere, denn ohne meine Kunden wäre ich nichts. Und ich habe wirklich mit Abstand die besten Kunden der Welt.

Lieblingstattoo(an dir)?

Oh das ist schwer zu sagen. Ich habe mich nämlich meistens von Tätowierern tätowieren lassen, die ich einfach sau sympathisch fand und daher mehr die Emotion am Tattoo hängt als nur das reine Gefallen am Motiv. Zudem würde ich, glaube ich heute mehr als die Hälfte meiner Tattoos nicht nochmal stechen lassen hahaha 😀 Aber das ist halt ein verdammtes Tattoo und diese eine Entscheidung im Leben. Das ist doch das geile an dieser Kunstform. Sie bleibt… und wenn es ein Fehler war dann bleibt auch dieser Fehler… Aber gut wenn es nur um das Motiv geht, dann würde ich sagen, ist mein Lieblingstattoo ,an meiner rechten äußeren Wade, eine traditionelle Meerjungfrau mit Achsel- und Intimbehaarung sowie auch riesigen Hängebrüsten. Keine Ahnung warum, aber ich muss jedes mal lachen wenn ich es mir ansehe 😀

Lieblingsbands?

Habe ich nicht, aber ein Lieblingsalbum was ich, seitdem es erschienen, ist nahezu jede Woche höre. „With Roots Above And Branches Below“ von The Devil Wears Prada.

Lieblingsvideospiel?

Da man eigentlich immer wieder auf dieses eine Spiel zurück kommt, muss es einfach Mariokart sein 😀

Lieblingsfestival?

Ich war auf noch nicht allzu vielen, aber das with Full Force hat sich einfach so extrem in meinen Kopf gebrannt, dass ich sagen würde da hatte ich so viel Spaß wie auf keinem anderen 😀

Lieblingsklamottenlabel?

Natürlich Storm Before The Calm von meinem Freund dem Chris. Er legt so unfassbar viel Herzblut in dieses Label das ist einfach bewundernswert. Niemand steckt so viel Liebe und Mühe in die Päckchen für die Kunden wie er. Da gebe ich mein Wort drauf, Leute. Kauft bei ihm ein Shirt!

Lieblingssong/Album

Upsi… das habe ich schon in der Kategorie der Lieblingsband beantwortet 😀

Was möchtest du zum Schluss unseren Lesern sagen?

Fuck racism!

Teilhaber des Shops Der Eremit Custom Tattoos
Castroper Straße 195 44791 Bochum
wir haben durchgehend geschlossene Tür
Termine und Beratung nur auf Onlineanfrage

Instagram: frechdachstattoo
email: frech-dachs@gmx.de

Das Header Foto wurde von Chris Rütt aufgenommen. Die restlichen Bilder hat der Artist zur Verfügung gestellt.


[Interview] Tobi, der Dude Tattoo

Bunte Farben, Comic, Kindheitserinnerungen, Retro, Herzenslieb – all das sind Schlagwörter die zum Berliner Tattooartist Tobi wie angefertigt passen. Mit seinen Wanna dudes begeistert er immer mehr Kunden und internationale Größen. Was das ist und wieso das zu ihm passt? Das lest ihr hier.

Wie kamst du zum Tätowieren?

Ich hab vor ca. 6-7 Jahren in Magdeburg bei dem Tattoostudio Eisenherz als Jobboy gearbeitet. Als ich meine wundervolle Maus dann kennengelernt habe, die in Berlin gelebt hat, war schnell klar, das ich zu ihr ziehe. Und da hat mich ein Tätowierer aus dem Bekanntenkreis ermutigt mit dem tätowieren anzufangen. Das hat leider alles nicht so super geklappt – Hab damals leider auch nicht meinen Stil gefunden, deswegen habe ich nach ca. 6 Monaten damit aufgehört und kurz danach in einer Videothek gejobbt. Dann in einem Callcenter, und dann in einer Bar. Zu der Zeit hab ich schon wieder überlegt ein wenig nebenbei zu tätowieren. dann hat ein guter Freund und Tätowierer (Bernd Muss) mich auch dazu ermutigt wieder anzufangen… Und dann habe ich wieder damit angefangen.

Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?

Dass die Kunden zufrieden sind, sich ganz arg wohl fühlen und auch dass ich zufrieden bin.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?

Buuuuh… schwer… 🙂 Ich hab gerade meine Frau gefragt… und sie antwortete ANDERS!

Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?

Weil ich denke das meine Tattoos Spaß und Freude machen, bei dem einen oder anderen eine Kindheitserinnerung wecken und weil man das Leben nicht zu ernst nehmen soll.

Lieblingstattoo (an dir)?

Ich habe bisher 3 Rocky Balboa Tattoos… im Mai kommt wahrscheinlich das Vierte…. die sind mir schon sehr wichtig.

Lieblingskünstler?

Michael Jackson, Queen, Notorious BIG, 2, Pac, Dr. Dre, Eminem.

Lieblingsvideospiel?

FIFA und Mario Kart.

Lieblingsfestival?

Bin kein wirklicher Festivalgänger.

Lieblingsklamottenlabel(Fokus liegt hier auf Independent Labels)?

Hab ich nicht, sorry…

Lieblingssong/Album

What’s the Difference von DR. DRE aus dem ALBUM 2001!

Was möchtest du zum Schluss unseren Lesern sagen?

LOVE IS POSSIBLE!!!!! Ich glaube daran, dass jeder einzelne von uns durch seinen Umgang mit anderen die Welt verändern kann!!!!

Die Fotos sind vom Artist zur Verfügung gestellt worden.


[Interview] Vero Ikona Ink

Gerade mal 22 Jahre und schon gelernte Fotografin und Tattoo Artist in Paderborn. Mit viel um die Ohren zaubert euch Veronika schöne Bilder auf das Papier und unter die Haut... Wie genau sie das macht? Das lest ihr in unserem Blog.

Wie kamst du zum Tätowieren?

Auf ganz komischem Weg!
Ich muss dafür etwas weiter zurückgreifen.

2018 schloss ich meine Ausbildung zum Fotografen und Betriebsassistenten erfolgreich ab. Und eigentlich dachte ich auch immer, ich würde hauptberuflich in meinem erlernten Beruf bleiben. Aber da die Bezahlung so unterirdisch ausfiel und ich damit mir nicht einmal eine Miete für eine Wohnung leisten konnte, musste ich mich umorientieren.
Mein damaliger Freund sah aus Zufall, dass mein heutiger Chef Patrick von Pat Ink Tattoos in Paderborn Verstärkung sucht. Daraufhin meinte er ,absolut überzeugt, ich solle mich doch unbedingt dort als Tätowierer melden. Ich hielt diesen Jobwechsel als völlig absurd, weil ich nie was mit Tattoos am Hut gehabt hatte. Doch da ich immer viel und leidenschaftlich gezeichnet habe war es für meinem Ex mehr wie klar, dass das meine Zukunft sein soll.
Nah langem hin und her diskutieren hatte er mich doch dazu überredet, dass ich mich bei Patrick melde (ich danke dir bis heute dafür!).

Tja und lange Rede kurzer Sinn: Ich wurde zum „Vorstellungsgespräch“ eingeladen, Patrick bot mir eine Probewoche an und in der Probewoche stach ich meine ersten Motive. Auf dieser Weise bin ich von 0 auf 100 in die Szene gerutscht und bin mehr als froh, dass das Schicksal so mit mir spielte.

Was ist dir wichtig an und bei deiner Arbeit?

Meine aller höchste Priorität liegt darin, dass meine Kunden das bestmögliche Ergebnis von dem bekommen, was sie sich vorgestellt haben.
Ich hasse unpersönliches Arbeiten und mag deswegen den Kontakt zu meinen Kunden und unterhalte mich auch gerne mit Ihnen, um eine (Vertrauens-)Basis aufzubauen.

Ja und an meinen Tattoos allgemein sind mir vor allem die Details sehr wichtig – sei es die richtige Farbkomposition oder aber Strukturen und feine Linien, die sauber gearbeitet wurden.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie kam dieser?

Puh, das ist schwer zu beantworten. Ich habe mich selber noch nicht wirklich gefunden. Da ich erst seit gut einem dreiviertel Jahr als Tätowierer arbeite probiere ich mich momentan noch viel aus. Aber ich merke, dass ich mích sehr für extrem fein gestochene aber auch stark für neotraditionelle Motive interessiere. Ich glaube die Interesse an den Details z.B. bei den Single Needle Portraits, aber auch an den ausdrucksstarken Formen und Farben von neotraditionellen Motiven rührt von meinem erlernten Beruf als Fotograf, wo ich genauso auf jedes Detail achte, aber auch mit sehr viel Farben und Bewegungen arbeite. …Wer weiß wie ich mich in den nächsten Jahren weiter entwickeln werde.

Warum sollte man von dir ein Tattoo bekommen?

Warum sollte man von mir ein Tattoo bekommen? Ich glaube die frage lässt sich nur sehr schlicht beantworten: Man sollte sich bei mir tätowieren lassen, wenn man meine Arbeit mag und schätzt. So hoffe ich es doch zumindest 😀 Ich glaube ich kann die Frage nur aus der Sicht meiner Kunden beantworten. Oft höre ich, und das macht mich wirklich extrem stolz und glücklich, dass sie sich bei mir wohl fühlen und mir vertrauen. Ich bin der Meinung: man kann noch so gute Arbeit liefern, wenn man sich nicht mit dem Kunden persönlich auseinander setzt war es kein erfolgreicher Termin. Meine Kunden sollen sich einfach bei mir gut aufgehoben fühlen und ich denke auch, dass das gut klappt. Zudem bin ich immer für viel Spaß zu haben 🙂

Lieblingstattoo (an dir)?

Das ist einfach! Ich habe nämlich gar keine Tattoos 😀
Irgendwie konnte ich mir Tattoos auf meinem Körper nie vorstellen, nur bei anderen fand ich es schon immer super schön. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich meine Einstellung dazu ja auch noch.

Lieblingsbands?

Da könnte ich jetzt eine Liste aufzählen, die nie aufhört. Musik ist extrem wichtig für mich und dabei versteife ich mich nicht nur auf eine Musikrichtung.
Aber um etwas zu nennen hier eine Liste:
das geht von Architects, the Ghost inside, breaking benjamin, defeater, stick to your guns, gideon, counterparts, bmth, polaris, wage war, nothing but thieves, hollow front… zu Marilyn Manson, Slipknot, Korn, Rammstein, Stone Sour… bis hin zu Trailerpark, Alligatoah, KIZ, Casper, SEEED, Feine Sahne Fischfilet, Anti Flag… und vorallem: Lana del Rey, Billie Eilish ud super gerne auch mal die 80s ^^

Lieblingsvideospiel?

Ganz klar die Reihen von Super Mario auf dem Gameboy, Advance und DS, aber der große Zocker bin ich nicht.

Lieblingsfestival?

Das Lineup ist sehr ausschlaggebend. Mir gefiel das Vainstream. Impericon Festival und Open Flair immer gut. Ich möchte aber unbedingt auch mal aufs With Full Force !

Lieblingsklamottenlabel (Fokus liegt hier auf Independent Labels)?

Um ehrlich zu sein sind mir Markennamen immer sehr egal. Mir ist es nur wichtig, dass ich mich darin wohl fühle, es zu meinem Look und meiner Einstellung passt und nicht das aller billigste von der Herstellung her ist. Sich über Marken und Brands zu definieren ist nicht so meins. Wenn ein Kleidungsstück mich anspricht werde ich es zu einem fairen Preis auch kaufen.

Lieblingssong/Album

Tatsächlich kommt bei meinem evergreen Lieblingssong mein Herz für die 80er durch. Eines meiner absoluten Lieblingslieder ist von Chris Isaac „wicked game“ ! Und das in so gut wie jeder Version, sei es das Original oder ein Cover. Und ansonsten kann ich mich nicht so wirklich festlegen, weil ich dafür einen zu breit gefächerten Geschmack an Musikern habedie ich alle auf Ihrer Art und Weise liebe. 🙂

Was möchtest du zum Schluss unseren Lesern sagen?

Ich kann euch Lesern das auf den Weg mitgeben, was mir das vergangene Jahr 2018 beigebracht hat:
Verschließe niemals die Augen vor neuen unbekannten Dingen und Situationen und habe keine Angst dich auf diese einzulassen. Selbst wenn sich eine Tür vermeintlich schließt, öffnet sich woanders eine geniale Neue. Und manchmal klemmte die erste Tür auch nur und das Leben hält dir beide Türen offen und die Wege frei. <3 Und vielleicht liegt ja auch, je nachdem, welche Türen sich bei Euch öffnen werden, ein Besuch bei mir im Studio auf Eurem Weg und ich verpasse euch euer nächstes Tattoo. Ich freue mich sehr darauf 🙂

Die Fotos sind vom Artist zur Verfügung gestellt worden.